Stellungnahme der Gütersloher FDP-Fraktion zum weiteren Vorgehen in Sachen ''Stadthalle''

11.05.2012

Die Gütersloher FDP-Fraktion unterstützt die Bestrebungen, den Entscheidungsprozess über die Zukunft der Gütersloher Stadthalle auszusetzen. Die von der Verwaltung gewünschte Investitionsentscheidung kann der Kulturausschuss nach Auffassung der Gütersloher FDP nicht bereits in der nächsten Sitzung am 22. Mai 2012 treffen. Die hierfür benötigten Informationen liegen schlicht noch nicht vor. Die FDP ist nach wie vor der Ansicht, dass man vor einer Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle konkrete Berechnungen über verschiedene Modelle benötigt.

 

Diese Berechnungen sind im Symbios-Gutachten nicht vorgenommen worden. Grund hierfür ist, dass die Kulturräume Gütersloh entgegen des Beschlusses des Kulturausschusses vom 24.11.2011 keine konkreten Berechnungen bei der Firma Symbios in Auftrag gegeben haben.

 

Zudem hat der Kulturausschuss mit dem gleichen Beschluss die Kultur Räume Gütersloh damit beauftragt, die Machbarkeitsstudie durch ein Symposium zu Anspruch und Aufgabe der zukünftigen Stadthalle zu begleiten, sowie, ein Konzept der Bürgerbeteiligung zur Zukunft der Stadthalle in Form eines Abstimmungsprozesses zu erarbeiten. Auch dies ist bislang nicht geschehen.

 

Die Gütersloher FDP-Fraktion sieht weiterhin gute Chancen für einen Neubau der Gütersloher Stadthalle auf dem heutigen Parkplatz vor der Stadthalle. Während der Bauzeit der neuen Stadthalle könnte so die alte Stadthalle vorübergehend weiter betrieben werden, um so einen Betriebsstillstand auszuschließen. Maßgebliche Grundlage für eine Entscheidung hierüber ist jedoch ein schlüssiges Gesamtkonzept. Die hierfür benötigten Bausteine liegen auf der Hand.

 

1. Erstellung eines Anforderungsprofils

 

Grundlage jeglicher Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle muss ein von allen Interessengruppen ausformuliertes Anforderungsprofil sein. Nur wenn alle Beteiligten (Veranstalter, Kunden, Bürger, Politik und Verwaltung) ihre Vorstellungen von einer zukünftigen Stadthalle zusammenführen, kann hieraus ein schlüssiges Anforderungsprofil erarbeitet werden. Zentrale Fragen hierbei sind: „Was soll unsere Gütersloher Stadthalle leisten?“ und „Welche Anforderungen stellen vorhandene und potentielle Kunden an die Stadthalle?“.

 

Entgegen der Auffassung der BfGT-Fraktion genügt es hierfür jedoch nicht, eine Umfrage unter der Gütersloher Bevölkerung mittels der für den Bürgerhaushalt genutzten Internetplattform zu initiieren. Eine solche Umfrage könnte allenfalls ein Meinungsbild hervorbringen. Zugleich wäre auf diese Weise nicht gewährleistet, dass die dort abgegebenen Stimmen tatsächlich von verschiedenen Nutzergruppen der Gütersloher Stadthalle stammen. 

 

Vielmehr bedarf es eines Workshops/Symposiums, in welchem die unterschiedlichen Interessengruppen unter fachkundiger Moderation ein Anforderungsprofil an die Gütersloher Stadthalle erstellen. Auf diese Weise können die unter Umständen gegenläufigen Anforderungen der verschiedenen Nutzergruppen miteinander in Einklang gebracht werden. Die von der BfGT-Fraktion favorisierte Umfrage ist hierzu nicht in der Lage und vermag daher nicht Grundlage für die weitere Entwicklung zu sein.

 

Soweit die Firma Symbios im Rahmen der Erstellung ihres Gutachtens bereits an (Groß-)Kunden der Stadthalle herangetreten ist und die Ergebnisse dieser Befragung in der Studie niedergelegt hat, vermag dies nach Auffassung der Gütersloher FDP einen Workshop ebenfalls nicht zu ersetzen. Zum einen sind die Gütersloher Bürgerinnen und Bürger als Nutzer der Stadthalle bei der Befragung nicht berücksichtigt. Und zum anderen sollten nicht nur die Unternehmen berücksichtigt werden, die bereits Kunde der Stadthalle sind, sondern auch die regionalen Unternehmen zu Wort kommen, die bislang bewusst nicht Kunden der Stadthalle sind und möglicherweise auf Wettbewerber in der Region ausweichen.

 

2. Erstellung eines Entwicklungszenarios

 

Bereits im Beschluss des Kulturausschusses vom 24.11.2011, welcher auf einen Antrag der FDP-Fraktion zurückgeht, wurde die Berechnung von unterschiedlichen Modellen in Auftrag gegeben. Hier möchte die FDP-Fraktion nach dem Workshop erneut ansetzen. Der Kulturausschuss soll aufgrund der Ergebnisse des Workshops konkrete Szenarien/Modelle entwickeln, die den Kulturräumen erneut zur Berechnung vorgelegt werden. Denn erst, wenn die Beteiligten wissen, was die Stadthalle leisten soll, können konkrete Aufträge zur Berechnung erarbeitet werden. In diesem Entwicklungszenario ist zum Beispiel festzuhalten, ob ein Saal mit 1000 Plätzen oder eher zwei Säle mit jeweils 500 Plätzen benötigt werden. Gleiches gilt für Anzahl und Größe der Konferenzräume. Auch die Frage nach den Bedürfnissen der Gastronomie kann erst beantwortet werden, wenn feststeht, ob ein Restaurant Inhalt des Anforderungsprofils ist, oder, ob vielmehr eine Cateringküche ausreicht. 

 

3. Erstellung von Investionsmodellen sowie eines Businessplans

 

Die im Symbios-Gutachten genannten Beträge von ca. 10 Millionen Euro für eine Sanierung bzw. Revitalisierung und 21 Millionen Euro für einen Neubau der Stadthalle sind nicht valide. Die dem für eine Sanierung genannten Betrag von 10 Millionen Euro zugrunde liegenden Beträge einzelner Sanierungsmaßnahmen/Gewerke beruhen lediglich auf Schätzungen des Gütersloher Hochbauamtes. Die Firma Symbios äußert in ihrem Gutachten hinsichtlich dieser Zahlen („finanziell grob-budgetiert“, Symbios-Gutachten, S. 137) bereits Zweifel sowohl hinsichtlich der Höhe der Einzelbeträge als auch hinsichtlich der Frage, ob die genannten Sanierungsmaßnahmen/Gewerke ausreichen:

 

„Anzumerken ist, dass diese Auflistung nur einen unvollständigen Überblick über die erforderlichen Maßnahmen und eine erste Kostenschätzung darstellt. Weitere erforderliche Maßnahmen in diversen Bereichen und Gewerken sind nicht auszuschließen und sollten erhoben werden.“ (Symbios-Gutachten, S. 133)

 

Bei den genannten ca. 21 Millionen Euro für den Neubau der Stadthalle handelt es sich um eine noch gröbere Schätzung, der die Annahme zugrunde liegt, dass für einen Neubau das gleiche Raumvolumen benötigt wird. Jedoch ist ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept nicht klar, welche Größen hier erforderlich wären.

 

Zudem beschränkt sich die Studie faktisch auf die genannten zwei Szenarien. An dieser Stelle ist es wünschenswert, auch Mittelwege in Betracht zu ziehen und konkret durchzurechnen.

 

Ebenfalls auf der Basis des Anforderungsprofils und des Entwicklungsszenarios ist ein Businessplan zur strategischen und operativen Planung zu erstellen, der die zukünftige wirtschafliche Ausrichtung der Stadhalle und deren Ziele beschreibt. Insbesonder ist hierzu ein Finanzplan auszuarbeiten, der eine Aussagen zur den notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen und der erwarteten Umsatzerlöse enthält, damit die Wirtschaftlichkeit des jeweiligen Investitionsmodells beurteilt werden kann.

 

Die Erstellung dieses Gesamtkonzepts war Leitidee des von der FDP-Fraktion initiierten, einstimmigen Beschlusses des Kulturausschusses vom 24.11.2011. Da die bisher seitens der Kulturräume Gütersloh bzw. der Gütersloher Stadtverwaltung ergriffenen Maßnahmen zur Umsetzung des Beschlusses und zur Vorbereitung einer Investitionsentscheidung wie dargelegt unzureichend waren, ist es nach Auffassung der Gütersloher FDP unumgänglich schnellstmöglich die notwendigen Schritte einzuleiten, die weitere Entwicklung der Gütersloher Stadthalle zeitnah voranzutreiben.