Mehrheit für Modellschule

09.09.2012

Das Anliegen der Verwaltung, den Gütersloher Sozialraum Nord attraktiv zu halten, hält auch die FDP für unumgänglich. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Erhaltung des Schulstandortes. 

Ob die im Gütersloher Norden geplante „Modellschule von 1 bis 10“ die richtige Lösung ist, ist in der Gütersloher FDP-Fraktion umstritten. 

Volker Ebeling hat für die FDP als Mitglied im Bildungsausschuss gegen die im Norden Güterslohs geplante Modellschule gestimmt. Nach Auffassung der FDP kann allein auf Grundlage des vom Schulministerium NRW vorgelegten Eckpunktepapiers keine sachbezogene Entscheidung getroffen werden. Viel zu vage bleiben Lehrinhalte, Notenvergabe, leistungsbezogene Differenzierung und Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Andere Städte wie Minden oder Münster haben aufgrund dieser unklaren Vorgaben der Landesregierung bereits das Handtuch geworfen und werden sich nicht mehr um die Teilnahme an dem Projekt bewerben.

 

Leuchtturmprojekt oder „Katze-im-Sack“ - Stellungnahme der FDP Gütersloh zur geplanten Modellschule

 

Das Anliegen der Verwaltung, den Norden Güterslohs attraktiv zu halten, weckt bei der Gütersloher FDP viele Sympathien. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Erhaltung des Schulstandortes. Ob die im Gütersloher Norden geplante „Modellschule von 1 bis 10“ die richtige Lösung ist, erörterten die Mitglieder der Gütersloher FDP-Fraktion auf ihrer letzten Fraktionssitzung. 

 

Nach Auffassung der FDP kann allein auf Grundlage des vom Schulministerium NRW vorgelegten Eckpunktepapiers keine sachbezogene Entscheidung getroffen werden. Viel zu vage bleiben Lehrinhalte, Notenvergabe, leistungsbezogene Differenzierung und Vergleichbarkeit der Abschlüsse. Andere Städte wie Minden oder Münster haben aufgrund dessen bereits das Handtuch geworfen und werden sich nicht mehr um die Teilnahme an dem Projekt bewerben. Damit steigen aber auch die Chancen für Gütersloh, den Zuschlag für eine Modellschule zu erhalten. Denn die Stadtverwaltung hat geschickt einige Stolpersteine ausgeräumt und stellt zudem klare Zielvorgaben.

 

Thema Schulstandort

 

Der Schulstandort soll sich auf die Haupt- und Realschule beschränken, sodass die Grundschule in wenigen Jahren auch für andere Zwecke genutzt werden kann.

 

Thema Zügigkeit

 

Damit kein Grundschulstandort gefährdet wird, aber die Bedingungen im Eckpunktepapier erfüllt werden, strebt die Stadt Kooperationen mit den Grundschulen in Blankenhagen und Isselhorst sowie der Blücherschule an, denen damit zugleich die Option offen steht, später zu Teilstandorten der Modellschule zu werden. Damit ist klar, dass die Grundschule Neißeweg (später Primarstufe der Modellschule) weiterhin zweizügig bleiben kann und der Grundschulfrieden gesichert ist. 

 

Thema Klassengröße

 

Ein wichtiges Kriterium für die Entscheidung der Eltern ist die Klassengröße. Hier herrscht allerdings noch Unklarheit aufgrund sich widersprechender Aussagen im Eckpunktepapier. Die Stadt wird hier mit dem klaren Ziel, kleine Klassen zu etablieren, in die Verhandlungen mit dem Ministerium gehen.

 

Thema Schulkonzept

 

Der wichtigste Eckpfeiler der neuen Schule ist das längere gemeinsame Lernen. Damit geht die Stadt Gütersloh auf die Wünsche vieler Eltern ein, eine Schullaufbahn ohne Brüche für ihre Kinder zu ermöglichen. 

 

Länger gemeinsam lernen können die Schülerinnen und Schüler zudem im Rahmen einer Ganztagsbetreuung. Dabei wird die Primarstufe einen offenen Ganztagsbereich und die Sekundarstufe einen gebundenen Ganztagsbereich bekommen. Daneben sind für die Gütersloher FDP allerdings weitere Fragen von entscheidender Bedeutung. Zu begrüßen ist die Einsicht der Stadtverwaltung, dass ohne eine äußere Differenzierung in Erweiterungs- und Grundkurse, die dem Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler entsprechen, kein gymnasiales Bildungsniveau vermittelt werden kann. Anderenfalls wäre der Wechsel an ein Gymnasium erschwert. Auch die immer wieder geforderte individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler würde ohne eine Differenzierung eher erschwert, als ermöglicht. 

 

Mit Skepsis begegnet die Gütersloher FDP jedoch dem Verzicht auf die Notenvergabe bis einschließlich Klasse 8. Dieser Ansatz erscheint realitätsfremd, denn letztendlich müssen die Schülerinnen und Schüler in Übergangs- und Abschlusszeugnissen Noten bekommen. Alles in allem würde dadurch eine Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse und ein Schulwechsel für die Schülerinnen und Schüler der Modellschule erschwert.

 

Thema Elternwille

 

Leider scheint die Stadt keine Alternative zur Modellschule zu planen. Damit bleibt die Frage offen, was passiert, wenn die Anmeldezahlen zur Modellschule nicht erreicht werden.

 

Für die Entscheidung der Eltern in der jetzt durchgeführten Umfrage, wäre eine Alternative, wie zum Beispiel eine Sekundarschule, wichtig gewesen. Mit Spannung hat die Gütersloher FDP deshalb das Ergebnis der Umfrage erwartet, denn letzten Endes sind es nicht die Politiker im Stadtrat, die darüber entscheiden, ob die Modellschule ein Erfolg wird, sondern die Eltern, die der neuen Schule ihr Vertrauen aussprechen und ihr Kind dort anmelden. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zeigen allerdings eine deutliche Ablehnung der befragten Eltern, die den Fragebogen an die Stadt zurückschickten. Eine Mehrheit von 58% der Eltern aus den Kindertageseinrichtungen im Norden der Stadt und 54% der Grundschuleltern aus dem Gütersloher Norden lehnen die Modellschule ab. Noch deutlicher fällt die Ablehnung aus, wenn nur die unmittelbar betroffenen Eltern des Einschulungsjahrgangs 2013 betrachtet werden. Hier lehnen 6 von 10 Eltern die Modellschule ab.

 

Die Verwaltung resümiert, dass die Modellschule starten könnte, weil die notwendigen Anmeldungen für Klasse 1 und 5 möglich sind. Die FDP Gütersloh verweist hier allerdings auf das ursprüngliche Ziel der Modellschule für den Gütersloher Norden - die Steigerung der Attraktivität durch die Einrichtung einer Stadtteilschule. Die Elternbefragung hat allerdings gezeigt, dass der Schülerbedarf für den Start der fünften Klasse nicht mit Schülerinnen und Schülern aus dem Gütersloher Norden gefüllt werden kann. Für einen erfolgreichen Start sind Anmeldungen aus anderen Stadtteilen notwendig. Die Absicht die Modellschule als Leuchtturmprojekt des Stadtteils zu etablieren, wird damit ad absurdum geführt.