Westfalen-Blatt "Parkplätze auf dem Stichweg"

01.06.2019

FDP fragt, wie praktikabel die rettende Lösung im Parkflächenstreit ist

Von Stephan Rechlin

Gütersloh(WB). Die neun Parkplätze hinter der Feuerwehr haben es gerissen. Mit ihrer Hilfe fand die Stadt einen Ausweg aus dem Streit um die Parkflächen entlang der unteren Berliner Straße. Doch jetzt fragt die FDP im Planungsausschuss: »Funktioniert das überhaupt?«

Bisher wissen nur Feuerwehrleute, dass es zwischen der alten Feuerwache und dem Amtsgericht noch einen Streifen gibt, auf dem man parken kann. Um darauf zu gelangen, müssen sie über die abgesenkte Bordsteinkante neben der Fußgängerampel auf der Friedrich-Ebert-Straße in einen Stichweg fahren, der als Fußgänger- und Radfahrweg ausgewiesen ist. Als FDP-Ratsherr Eckhard Fuhrmann die Verkehrssituation erläutern will, kommt ein Geländewagen aus Richtung Rathaus angefahren, biegt noch vor der Ampel über zwei durchgezogene Linien ab und fädelt sich über die Fahrbahn des Gegenverkehrs in den kleinen Stichweg ein. Fuhrmann: »Wenn diesen Trick demnächst alle anwenden, wird es hier häufiger zu Unfällen kommen.«

Die vierspurige Friedrich-Ebert-Straße, zwei Spuren in jede Richtung, wird von Einzelhandelsverbandschef Rainer Schorcht gerne als Gütersloher Stadtautobahn bezeichnet. Auf ihr wollen die Autofahrer möglichst schnell die Innenstadt passieren. Eckhard Fuhrmann: »Die Parkplätze hinter der Feuerwehr werden zur Zeit von Mitarbeitern und Einsatzkräften der Feuerwehr genutzt. Bei einer späteren Nutzung als öffentlicher Parkplatz ist mit einem wesentlich höheren Aufkommen an An- und Abfahrten sowie Suchverkehr zu rechnen.« Das dürfte zu einigen spektakulären Bremsmanövern auf der Friedrich-Ebert-Straße führen.

Eine Rechtsabbiegespur in den Stichweg gibt es dort bisher nicht. Nur wenige Meter weiter mündet die Feuer-wachen-Ausfahrt auf die Friedrich-Ebert-Straße – das ist der nächste Bremspunkt auf der Stadtautobahn. Und wieder ein paar Meter weiter kommt die Kreuzung Berliner Straße mit der Einfahrt in die geplante Tempo-20-Zone. Fuhrmann: »Ich möchte das Fass untere Berliner Straße gar nicht wieder öffnen. Allerdings sollte der Planungs-ausschuss frühzeitig in die neue Verkehrsplanung einbezogen werden.«

Zumal hinter diesen Parkplätzen derzeit der Radfahrstreifen entlangführt, auf dem Schüler des Städtischen Gymnasiums, der Elly-Heuss-Knapp-Realschule und der Altstadt-Grundschule zu Fuß oder auf ihren Rädern zur Fußgängerampel gelangen. Fuhrmann wisse nicht, ob es dabei bleiben könne: »Die Autos setzen ja rückwärts aus den Parkbuchten zurück. Das könnte ebenfalls zu brenzligen Situationen führen.«

Amtsgerichtsdirektor Axel Meyer fordert die Stadt auf, häufiger den Parkplatz des angrenzenden Amtsgerichtes zu kontrollieren: »Er wir häufig von Lehrern und Schülern blockiert, weil sie hier nichts zahlen müssen.« Werktags sei der Parkplatz für Besucher des Gerichtes reserviert, an Wochenenden müsse wenigstens die Gerichtsanfahrt frei bleiben.