Westfalen-Blatt "Neues G9-Gesetz kommt erst im Sommer"

13.11.2017

Bildungsministerin Gebauer besucht Gütersloher FDP von Stephan Rechlin

Gütersloh(WB). Die Rückkehr zum Abitur in neun Jahren ist ebenso aufwändig und mühsam wie die Einführung des Turboabis zum Schuljahr 2013. Einen Gesetzentwurf dazu kündigt Bildungsministerin Yvonne Gebauer frühestens zum Start der Sommerferien 2018 an.

Wieder sind die Stellungnahmen sämtlicher Verbände und Schulorganisationen einzuholen, wieder sind die Schulbuchverlage frühzeitig einzubinden, wieder müssen die Schulkonferenzen jedes einzelnen Gymnasiums im Land beraten, ob sie zu G9 zurückkehren oder es bei G8 belassen wollen. »Mischformen akzeptieren wir nicht«, stellte die Bildungsministerin beim Grünkohlessen der Gütersloher FDP im Re-staurant Amadé fest.

Die Rückkehr zu G9 soll zum Schuljahr 2019/2020 erfolgen und zwei Jahrgänge umfassen – also auch jene Kinder, die ab Februar für die fünften Klassen angemeldet werden. Eine rechtsverbindliche Zusicherung, ihr Abi in neun Jahren ablegen zu können, wird ihnen dann noch niemand geben können. Gebauer: »Aber die Schulen können den Eltern gegenüber ja schon einmal andeuten, zu welcher Lösung sie tendieren.«

Der Besuch der Ministerin ist ein deutliches Signal für das Ende der »Schattenjahre« in der Gütersloher FDP – so bezeichnet Parteichef Christian Lindner die Jahre ohne Mandate in Land- und Bundestag in seinem neuen Buch. Dem Gütersloher Ortsvereinsvorsitzenden Dirk Stockamp haben diese Jahre zugesetzt, daraus machte er im Saal auch kein Geheimnis. Sein Dank galt jenen Parteifreunden, die ihn zwischendurch immer mal wieder in den Hintern getreten hätten, um nicht zu resignieren.

Doch jetzt ist die Zeit der durch Trennwände halbierten Säle beim Grünkohlessen vorüber. Den prominenten Gast aus Düsseldorf wollten nicht nur gut 96 Parteimitglieder kennenlernen, auch Bürgermeister Henning Schulz schaute rein, CDU-Landtagsabgeordneter Raphael Tigges, Bildungs-Dezernenten und Fachbereichsleiter aus Kreis und Stadt, die Kreis- und Stadtschulpflegschafts-vorsitzenden. Seltsamerweise scheinen SPD und Grüne kein Interesse mehr am Thema Bildung zu haben.

Dabei bekundete Yvonne Gebauer das ur-sozialdemokratische Ziel, »Aufstieg durch Bildung für alle« zu ermöglichen. Allerdings war von ihr auch zu hören, wie weit Wahlkampfprogramme und Wirklichkeit in Nordrhein-Westfalen auseinanderklaffen. 2139 Lehrerstellen sind unbesetzt, davon gut 1000 an Grundschulen. Für gut 95 000 zugewanderte Schüler sind Pädagogen zu finden, die ihnen Deutsch beibringen. Auf die gut dotierten Studiendirektor-Positionen in den Oberstufen gebe es übrigens mehr als genug Bewerbungen. Yvonne Gebauer kündigte Konsequenzen an: »Wer später in einer Oberstufe unterrichten möchte, muss auch für zwei bis drei Jahre in eine Grundschule gehen.«

Diese Maßnahme wird aber nicht zu einer höheren Zahl von Sonderpädagogen führen, die gebraucht werden, um die Inklusionsziele zu erreichen. Gebauer habe die Schließungswelle bei den Förderschulen deshalb erst einmal gestoppt. Bei den Grundschulen strebe sie die Einrichtung von Schwerpunktschulen an, die mit ausreichend Personal und Sachmitteln ausgestattet werden, um eine Inklusion hinzubekommen: »Es reicht vorne und hinten nicht, um alle Grundschulen flächendeckend mit Fachkräften auszustatten.«

 

Theodor-Heuss-Plakette

Der Gütersloher Unternehmer Karl-Heinz Kissing ist 1966 in die FDP ein getreten – und ist immer noch drin! Unabhängig von den Leistungen und Skandalen der Parteigrößen in Bonn und Berlin hat er im Rat der Stadt Gütersloh mit daran gearbeitet, dass es wenigstens lokal vorwärts geht. Von 1975 bis 2000 als Vorstandsmitglied der Gütersloher FDP, von 1982 bis 1989 und von 1994 bis 1998 im Rat, unter anderem als Fraktionsvorsitzender. Für dieses Engagement zeichnete ihn FDP-Kreisvorsitzender Hermann Ludewig mit der Theodor-Heuss-Plakette in Gold aus.