Die Glocke "Bildung muss für alle besser werden"

11.11.2017

Ein kreisweites Echo hat das Grünkohlessen des FDP-Ortsverbandes Gütersloh in Siewekes Restaurant Amadé gefunden. Für die Kölnerin Yvonne Gebauer (FDP), Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen, war es das erste in dieser den Rheinländern nicht fremden Kohlsaison. Keine leichte Kost auch ihr Thema: "Bessere Bildung für alle, für leistungsschwächere Schüler ebenso wie besonders begabte."

 

Zu den Gästen zählten Landtagsmitglied Raphael Figges (CDU), Güterslohs Bürgermeister Henning Schulz (CDU) und Kreisdirektorin Susanne Koch. Sie sei sich bewusst, viel Gegenwind zu bekommen, räumte die Schulministerin ein und stellte klar: "Ob Inklusion oder Integration: Mit der Lehrerversorgung steht und fällt alles."

 

2139 Lehrerstellen seien unbesetzt, davon allein 1000 an Grundschulen, erläuterte Gebauer. Luft verspricht sich der Gast aus Düsseldorf durch Seiteneinsteiger für das Fach Englisch, die während ihres Einsatzes weiter qualifiziert werden sollen. Ein anderer Weg wäre die Abordnung von Oberstufenpädagogen für zwei Jahre an Grundschulen mit der Zusage, dass sie anschließend eine wohnortnahe Stelle an einer weiterführenden Schule erhalten.

 

Bei der Inklusion hat Gebauer die Mindestgrößenverordnung für Förderschulen aufgehoben. Ihr sei klar, dass Schwerpunktschulen gebildet werden müssten, die neben den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung mindestens einen weiteren Förder-schwerpunkt umfassten, betonte sie in ihrem Vortrag am Donnerstagabend. Bei Flüchtlingskindern, die zum Teil nie eine Schule von innen gesehen hätten, plädierte die Fachministerin für zwei Vorbereitungsjahre. In dieser Zeit sollten ausreichende Deutschkenntnisse erworben werden, die für die Regelschule notwendig seien. Außerdem sollten Ferien für Sprachunterricht genutzt werden, da die meisten Eltern nicht verreisen würden.

 

Weiteres Thema war die Rückkehr zum Gymnasium G9 mit Abitur nach neun Jahren ab dem Schuljahr 2019/2020. Die FDP-Politikerin will Eltern, die bei G8 bleiben möchten, das unbürokratisch ermöglichen. Sie werde auch eine Lösung finden, wenn es vor Ort nur ein G9-Gymnasium gibt und wenige das Abitur nach acht Jahren wünschen.

 

Was die Digitalisierung betrifft, hält Yvonne Gebauer die Ausstattung der Schulen mit Endgeräten als leichteste Aufgabe. Komplizierter sei die Breitbandversorgung in der Fläche. Parallel dazu müssten die Pädagogen fortgebildet werden und die künftigen Lehrer die Technik bereits bei ihrem Eintritt in die Schule beherrschen.

 

Personalie

Vor dem Grünkohlessen des FDP-Ortsverbandes Gütersloh hat der Kreisvorsitzende Hermann Ludewig aus Borgholzhausen den Gütersloher Karl-Heinz Kissing, der 1966 in die Partei eintrat, für 50-jährige Mitgliedschaft in der FDP geehrt. Mit der Ehrenurkunde überreichte er dem Jubilar die Theodor-Heuß-Plakette in Gold. Karl-Heinz Kissing setzte sich ehrenamtlich für die Liberalen ein als Vorstandsmitglied von 1975 bis 2000, als Ortsvorsitzender in Gütersloh von 1990 bis 1995 sowie als Stadtratsmitglied von 1982 bis 1989 und erneut von 1994 bis 1998. Ehrengast NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer gratulierte mit den Worten: "1966 war ein gutes Jahr. Herr Kissing ist in die FDP eingetreten und ich bin geboren worden (am 2. August in Köln)."