Neue Westfälische: "Erinnerungen an Westerwelle"

19.03.2016

Trauer: Die Bertelsmann-Stiftung und heimische Politiker äußern sich zum Tod des ehemaligen Außenministers. Ein Gütersloher hätte beinahe einst das "Guidomobil" gelenkt

 

Von Ludger Osterkamp

Gütersloh. Der Tod des ehemaligen Außenministers Guido Westerwelle (FDP) hat auch im Kreis Gütersloh Bestürzung ausgelöst. Der 54-Jährige, gestern an den Folgen von Leukämie gestorben, war etliche Male in Gütersloh. Zur Bertelsmann-Stiftung, deren Kuratorium er seit 2015 angehörte, und zu Landrat Sven-Georg Adenauer, mit dem er einst in Bonn sein Jurastudium absolvierte, pflegte er eine besonders enge Verbindung.

 

"Er war ein Duz-Freund", sagte Adenauer. Seit der Zeit ihres Studiums - sie absolvierten auch zeitgleich ihr Referendariat am Gericht - hielten sie Kontakt, trafen sich zu Anlässen in Gütersloh oder spontan in Bonn. "Wir hatten einen guten Draht zueinander." In der Korrespondenz sei oft auch Persönliches ausgetauscht worden. Vor einigen Jahren, so Adenauer, habe er Westerwelle eine Flasche "Schroederschen" aus Verl geschickt; dieser habe sich herzlich bedankt.

 

Für die Bertelsmann-Stiftung würdigte Professor Werner Bauer, Vorsitzender des Kuratoriums, Westerwelle als Visionär. Dieser habe schon sehr früh erkannt, dass man den Wandel in der arabischen Welt durch Projekte mit klaren sozialen und wirtschaftlichen Perspektiven unterstützen müsse. Bereits im Mai 2012, bei der Eröffnung der Nahostgespräche der Bertelsmann-Stiftung, habe sich Westerwelle mit Blick auf den blutigen Konflikt im Nachbarland Syrien überzeugt gezeigt, "dass die Türkei bei der Lösung vieler internationaler Konflikte eine Schlüsselrolle spielt und spielen sollte". 

 

Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, sagte, mit Westerwelle verliere die Stiftung einen hoch geschätzten politischen Wegbegleiter und Impulsgeber: "Ich kannte Guido Westerwelle seit Jahren aus vielen persönlichen Begegnungen. Er war nicht nur ein außerordentlich kluger Kopf mit großem politischen Gestaltungswillen, sondern zur selben Zeit auch eine außergewöhnliche Persönlichkeit, der menschliche Werte immer sehr am Herzen lagen".

 

Westerwelle war viele Male in der Dalkestadt - so 2011 beim Landespresseball, 2005 bei der Landeswahlversammlung, 2013 bei der Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises oder bei Kreisparteitagen. Der Ehrenvorsitzende der Liberalen im Kreis, Dr. Paul Gehring (84), erinnerte sich gestern an frühe gemeinsame Wahlkämpfe. Vor Jahrzehnten sei er, Gehring, im Wahlbezirk Gütersloh angetreten und Westerwelle als junger Mann im Wahlbezirk Bielefeld. "Es war früh zu merken, welches Potenzial er besitzt. Er war ein glänzender Rhetoriker, mit scharfem Verstand." Außerdem habe er ihn als außerordentlich fleißigen Mann in Erinnerung. Vor einigen Jahren, Westerwelle war längst Außenminister, habe er im Kreisvorstand über eine Israel-Reise berichtet. "Danach haben wir noch einige Stunden zusammengesessen."

 

Für den FDP-Kreisvorsitzenden Hermann Ludewig waren vor allem die rhetorischen Qualitäten Westerwelles das, was herausstach. "Er konnte polarisieren und ein Zyniker sein, das hat mir gefallen." Dass Westerwelle durch den offensiven Umgang mit seiner Krankheit zuletzt auch menschlich viele Sympathien gewann, habe ihn gefreut, so Ludewig.

 

Tassilo Hardung, langjähriges FDP-Mitglied und heute bei der BfGT, wehrt sich gegen die Darstellung, Westerwelle sei ein schlechter Außenminister gewesen. "Das kann ich nicht teilen. Ich fand, er hat das Amt sehr respektabel ausgeübt." Zu dessen 40. Geburtstag sei er, Hardung, auch privat eingeladen gewesen, außerdem sei er damals gefragt worden, ob er im "18-Prozent-Wahlkampf" als Fahrlehrer das Guidomobil lenken wolle. Wegen anderer beruflichen Verpflichtungen habe er das ablehnen müssen, so Hardung.