Neue Westfälische "FDP stellt ihr Team auf"

24.09.2016

Versammlung: Der 28-jährige Philipp Winkler tritt bei der Bundestagswahl gegen Ralph Brinkhaus (CDU) und Elvan Korkmaz (SPD) an. Auch Landtagskandidaten nominiert

Von Rolf Birkholz

Gütersloh. Einstimmig, fast einstimmig oder doch mit großer Mehrheit hat die FDP ihre Kandidaten für die Bundes- und Landtagswahl 2017 nominiert. In drei wahlrechtlich bedingt getrennten, aufeinander folgenden Versammlungen im Landhaus Heitmann (Pixel) in Herzebrock-Clarholz wurden die jeweils ohne Gegenkandidaten angetretenen Bewerber Philipp Winkler für den Bund sowie Dr. Björn Kerbein, Rainer Gellermann und Dr. Ulrich Klotz für den Landtag aufgestellt. 

 

Winkler, bereits mit 15 Jahren bei den Freien Demokraten eingetreten und heute, mit 28, Stadtverbandsvorsitzender in Rheda-Wiedenbrück, stellte keine inhaltlichen Ziele heraus. Der als Immobilienverwalter tätige gelernte Bankkaufmann, der schon einmal ein Praktikum beim FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Scheffler absolviert hat, plädierte allgemein für eine "Politik mit gesundem Menschenverstand". Die Freien Demokraten sollten "die liberale Mitte" sein, so der Kandidat, der im Wahlkampf ("Kommunikation, das ist alles") auch an die eine oder andere Haustür klopfen will. Winkler bekam 25 von 30 Stimmen, vier Neinstimmen, eine Enthaltung.

 

Der als Nachrücker bereits seit einem Jahr für den Wahlkreis 94 Gütersloh I / Bielefeld III im Landtag sitzende Dr. Björn Kerbein ("zur Halbzeit eingewechselt") soll nach dem Willen von allen elf hier Stimmberechtigten dort auch erneut einziehen. Der Inhaber einer Sportakademie sagte, er habe unter anderem beitragen können, die FDP in Düsseldorf sportpolitisch zu positionieren. "Die Probleme in NRW sind so groß wie das Land selbst", trug der 42-jährige Bielefelder nur wenige Punkte einer offenbar längeren "Mängelliste" vor, etwa zu Fragen der Verkehrsinfrastruktur und der Sicherheit, wo er von "PR-Aktivitäten wie dem Blitz-Marathon" sprach.

 

Bürokratieabbau, Bildung (Wirtschaft als Schulfach) und Infrastruktur (Umgehungsstraßen) nannte Rainer Gellermann als seine drei Kernthemen. Für den 34-jährigen Versicherungsmakler und Vorstandsmitglied im Stadtverband Gütersloh als Kandidat im Wahlkreis Gütersloh 95 II (Gütersloh, Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz) votierten 25 von 27 Stimmberechtigten, es gab eine Neinstimme, eine Enthaltung. 

 

Mit 26 Ja-Voten bei einer Enthaltung wiederum stellten die Versammelten den Verler Ratsherrn Dr. Ulrich Klotz für den Wahlkreis 96 Gütersloh III (Langenberg, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Schloß Holte-Stukenbrock, Verl) auf. Der sich als "rheinischer Westfale" vorstellende 55 Jahre alte Pädagoge rahmte seine Rede mit Zitaten von Marcel Proust und Hanns Dieter Hüsch ein. Dazwischen hob er "Freiheit und Verantwortung" als liberale Devise hervor, betonte, man dürfe den Bürgern "nichts aufschwatzen", verteidigte das mehrgliedrige Schulsystem, warnte vor "Vernichtung der Förderschulen", suchte Maßnahmen der Regierung mit Verweis auf des "Kaisers neue Kleider" zu entzaubern. 

 

Man habe "gute Leute gefunden, kompetente Leute", sagte Kreisvorsitzender Hermann Ludewig zum Personalangebot der Kreis-FDP. Und gab eine Einschätzung des Parteichefs Christian Lindner zu den Urnengängen 2017 wieder: "Es sind existentielle Wahlen."