Westfalen-Blatt "Profitprinz, Hamster und ein Shuttlebus zur Welle"

15.03.2016

Haushalt macht Spaß: Die lustigsten Auszüge aus den Ansprachen

 

Gütersloh (rec). Ein Defizit von 13 Millionen Euro ist noch lange kein Grund zur Humorlosigkeit. Bei allem gebotenen Ernst in der Sache vermochten eine Reihe von Ratsherren der Versuchung nicht zu widerstehen, ein paar Lacher in ihre Haushaltsreden einzubauen.

 

Das den Haushaltsplan 2016 prägende Schlagwort heißt »Schnappatmung«. Es stammt vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Ostermann und war sein erster Kommentar zu den gut 64 Stellen, die Bürgermeister Henning Schulz mehr haben wollte. »Hätte Bürgermeisterin Maria Unger solch eine Forderung aufgestellt, hätte sie in ihren Reihen Schnappatmung ausgelöst«, sagte er in Richtung der CDU-Fraktion. Im direkten Schlagabtausch mit der CDU gelangen Ostermann noch ein paar weitere gelungene Spitzen, seine Haushaltsrede aber blieb trocken.

 

Statt dessen gibt es Manfred Reese von den Linken, der schon einmal launig einstieg: »Dieses Jahr wird jedenfalls nicht gespart. Wir wollen schließlich das volle Sorglos-Programm, damit die Bürger auch zufrieden sind. Hoffentlich sind es denn auch«. Zum Sozialwohnraumprogramm sagte er: »In Gütersloh schläft man noch den Dornröschen-Schlaf und träumt, dass eines Tages ein schöner und reicher Investitionsprinz aus einem fernen Königreich kommt und alle sozialen Wohnprobleme löst. (...) Und selbst, wenn so ein Prinz geritten kommt, ist es kein Sozialprinz, sondern ein Profitprinz.«

 

Als letzter Redner im Ratssaal ist Florian Schulte-Fischedick (FDP) auf ein paar Effekte angewiesen, schon um zu vermeiden, dass die Zuhörer ihrer Häupter »zur Ruhe betten.« Also fragt er nach dem zu erwartenden Ergebnis der Gemeindeprüfungsanstalt: »Was haben wir davon, wenn uns wieder einmal mitgeteilt wird, dass wir im interkommunalen Vergleich gar nicht so schlecht dastehen? Hurra, uns geht es besser als Duisburg!« Die ganze Debatte passt ihm nicht: »Sie streiten sich lieber über Kleinig-keiten und schieben die wichtigen Entscheidungen vor sich her. Der Teufel und das Weihwasser, Sie erinnern sich? (...). Sie stehen im dritten Stock eines brennenden Hauses und schimpfen mit dem Hamster, weil der die Tapete angeknabbert hat.«

 

Literarische Qualität hat der Ausflug von CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer ins Jahr 2020. Die Flüchtlinge sind inzwischen gut in den Gütersloher Alltag integriert, der Konsolidierungskurs hat keine Strukturen zerstört, die Gewerbeflächen am Hüttenbrink sind vermarktet, dort sind neue Arbeits-plätze entstanden: »Verl hat auf den Bau eines eigenen Schwimmbades mit 900 000 Euro Defizit jährlich verzichtet und es verkehrt ein Shuttle-Bus, der die Welle und das neue Gütersloher Hallenbad anfährt. Eine Win-Win-Situation für beide Städte.« Und weitere Sparerfolge gibt es auch zu verzeich-nen: »Die ehemaligen Pädagogen Dr. Bethlehem, Ostermann, Dr. Büscher und Rosenthal widmen sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Schuldienst den schulbibliothekarischen Leistungen und entlasten somit den städtischen Haushalt im Rahmen der freiwilligen Leistungen deutlich.«