Die Glocke "Vor 70 Jahren auf britischen Befehl gegründet"

05.07.2016

Von unserem Mitarbeiter JOHANNES BITTER

Kreis Gütersloh (gl). Die FDP im Kreis und in der Stadt Gütersloh blickt auf 70 Jahre zurück: 1946 war die Partei vor Ort auf Befehl der Militärregierung in Wiedenbrück von Oberingenieur Wilhelm Esser gegründet worden. Er war nach seinem Studium 1940 zur ehemaligen Firma Wirus in Gütersloh gekommen.

 

Während eines Empfangs auf dem Meierhof Rassfeld in Blankenhagen am Sonntag sah der Güters-loher Bürgermeister Henning Schulz (CDU) das liberale Jubiläum eng verbunden mit der Geschichte von Kreis und Stadt. Er fand es bemerkenswert, dass eine Partei auf britischen Befehl ins Leben gerufen wurde und „wir heute den letzten Militärstandort auflösen“. Schulz erwähnte ein FDP-Flugblatt von 1956 mit drei Forderungen: Stadtverwaltung rationalisieren, Steuern senken, Wohnungsbau intensivieren.

 

Der Bürgermeister erwähnte besonders den Einsatz des heutigen Ehrenvorsitzenden Dr. Paul Gehring für das soziokulturelle Zentrum Weberei und den von Ratsfrau Hanna Zurmühlen, auf die das Glasrecycling zurückgehe.

 

Dr. Paul Gehring blickte in das Gründungsjahr des Kreises Gütersloh 1973 mit FDP-Ortsverbänden in den fünf Gemeinden des früheren Kreises Halle sowie in Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück zurück. So habe er in einem Jahr im Südkreis fünf Ortsverbände gründen müssen, „wo man Liberalität noch nicht buchstabieren konnte“. Der Lohn für seine Mühen: hervorragende Ergebnisse bei der Kommunalwahl 1975.

 

Der FDP-Kreisvorsitzende Hermann Ludewig (Borgholzhausen) begrüßte zum Empfang zahlreiche Gäste. Dazu zählten unter anderem die frühere Bezirksvorsitzende Gudrun Kopp (Detmold), der CDU-Kreisvorsitzende Ralph Brinkhaus sowie dessen SPD-Kollege Hans Feuß und Johannes Sieweke (FWG/UWG).

 

Ex-Wissenschaftsminister Professor Dr. Andreas Pinkwart, heute Rektor der Handelshochschule Leipzig, nannte die FDP das Schnellboot in der Politik, immer unterwegs, um die Dinge in der Mitte zu halten. Als Fortschrittspartei, die mutig agiere, sehe die FDP Neues als Chance. Der Liberale aus dem Rhein-Sieg-Kreis nannte die Grundsätze Freiheit, Ordnung und Führung, wollte diese aber auf klare Prinzipien aufbauen, nämlich Wettbewerb, Verantwortung und Neuerungsfähigkeit. Pinkwart zeigte sich überzeugt, dass die Politik nach der industriellen Revolution die informationelle zu überstehen habe. Der FDP-Politiker forderte dringend ein Zuwanderungsgesetz, das Rechtsklarheit schaffe, was politisch Verfolgte und Kriegsflüchtlinge in der Bundesrepublik zu erwarten haben. Gleiches gelte für Menschen, die ihre Lebensbedingungen verbessern wollten.