Der lange Weg vom Flüchtling zur Fachkraft

17.11.2015

FDP lässt sich beim Grünkohl von Michael Heesing desillusionieren

Gütersloh (rec). Vom Flüchtling zur Fachkraft – so stellt sich die Gütersloher FDP den idealen Weg der Integration der Asylbewerber in Lohn, Brot und Gemeinschaft vor. Flink wie FDP-Mitglieder mitunter sind, hatte Schatzmeister Johannes Elstner zwei junge, syrische Flüchtlinge zum Grünkohlessen ins Restaurant Bonne Vie eingeladen, die in ihrer Heimat als Elektriker gearbeitet hatten: »Sie suchen Praktikumsplätze. Hätten Sie was im Angebot?« fragte er den Referenten des Abends, Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld.

Der würde die beiden sehr gern sofort in einen Betrieb vermitteln, doch steht er vor eben solchen Hürden wie der Inhaber eines mittelständischen Elektrobetriebes: »Zunächst muss der rechtliche Status der beiden jungen Männer geklärt werden.« Sind es Asylbewerber, Flüchtlinge, Kontingent-Flüchtlinge, Asylanten? Mit der Kategorisierung stehe und falle die Anmeldung in den Sozialversicherungssystemen.

Es folgten die üblichen Fragen: Wie gut haben die beiden inzwischen Deutsch gelernt? Haben Sie in Syrien eine Berufsausbildung absolviert? Wo liegen ihre tatsächlichen Kompetenzen? »Wer in Syrien mal an einem Lkw herumgeschraubt hat, kann noch lange nicht in einer Daimler-Werkstatt eingesetzt werden«, mahnte Heesing. Zur Feststellung des Bildungs- und Kompetenzniveaus gebe es inzwischen etablierte Einrichtungen: »Die müssen wir vernetzen und auf die neue Aufgabe hin ausrichten.«

Gibt es Daten zur Qualifikation der Flüchtlinge? Dürfen sie überhaupt schon Praktika aufnehmen? Hat die Stadt, der Kreis einen Einfluss darauf, qualifizierte Fachkräfte zu halten? Auf all’ diese vom Ratsherrn Florian Schulte-Fischedick bereits im Gütersloher Rat gestellten Fragen vermochte Michael Heesing auch nur mit den Schultern zu zucken: »Die nordrhein-westfälische Landesregierung weiß gar nichts. Die Aufnahme verläuft spontan und desorganisiert.« Diese Daten seien nicht einmal von den im Frühjahr eingetroffenen Personen bekannt. Heesing: »Wir wissen nur, dass sie einen langen Weg und hohe Risiken in Kauf genommen haben, um zu uns zu kommen. Diese Motivation sollten wir nutzen, solange es sie noch gibt.«