Westfalen-Blatt "FDP will Museen auf dem Flughafen"

11.04.2014

Historische Gebäude könnten an die NS-Zeit und den Kalten Krieg erinnern

Von Michael Delker

 

Gütersloh(WB). Im Ringen um die Folgenutzung des Flughafen-Geländes bringt die FDP eine neue Variante ins Spiel. Angesichts der historischen Gebäudesubstanz können sich die Liberalen auf dem Areal einen Lernort oder Museen vorstellen, die auf die Rolle des Flughafens in der NS-Zeit und im Kalten Krieg hinweisen.

 

»Die Briten haben die Exponate der Nazis nicht weggeworfen, sie sind dort heute noch zu sehen«, sagt Güterslohs FDP-Fraktionschef Dr. Wolfgang Büscher, der sich bereits im Jahr 1990 während seiner Dissertation mit der Fläche beschäftigt hat. Seine Kenntnisse sind in ein Positionspapier mit eingeflossen, das der FDP-Kreisverband heute der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Dem Papier zufolge bietet der Flughafen die Möglichkeit, die NS-Geschichte des Kreises Gütersloh an einem real erlebbaren Ort aufzuarbeiten. »Im interkommunalen Verbund könnte man in OWL gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum Stalag 326 in Stukenbrock-Senne, dem Hydrierwerk in Porta Westfalica und der Gedenkstätte Wewelsburg im Kreis Paderborn aufeinander abgestimmte Führungen anbieten«, heißt es in dem Papier. Auch eine Teilhabe am Projekt »Erinnerungskultur in OWL« sei denkbar.

 

Als Beispiele für unter Denkmalschutz zu stellende Gebäude nennt Dr. Wolfgang Büscher das Manfred-Richthofen-Haus und das Kasino mit dem Göring-Zimmer. Dort befindet sich ein Balken, der sich mit einer Hydraulik verbiegen lässt. Er wurde in Kriegszeiten spaßeshalber installiert, weil Hermann Göring gelogen haben soll, »dass sich die Balken biegen.«

 

Ein weiteres Themengebiet könnte laut FDP die Zeit des Kalten Krieges sein. Der Flughafen biete die einmalige Möglichkeit, die Entwicklung der britischen Armee vom Besatzer hin zum Partner und zur befreundeten Nation zu dokumentieren. Die Bunkeranlagen eigneten sich hervorragend, militärisches Gerät auszustellen, Regimentswappen, ein echtes britisches Offizierskasino, der Naafi-Shop oder das Royal-Post-Office könnten eine besondere Atmosphäre vermitteln und innerhalb des Museumskonzeptes auch gewerblich genutzt werden. Ergänzend sei auch ein Herbergsbetrieb für Schulklassen denkbar.

 

Ungeachtet dieser Überlegungen will die FDP an Gewerbeflächen auf dem Areal festhalten. In dieser Frage vertraten Stadtrats- und Kreistagsfraktion in der jüngeren Vergangenheit konträre Standpunkte. Weitere Vorschläge sind der Bau eines Verkehrssicherheitszentrums und der Erhalt des Golfplatzes.