Ortsumgehung Friedrichsdorf: Bezirksvertretung Senne nicht zum Einlenken bereit

01.05.2013

Letzter Versuch gescheitert

VON RAINER HOLZKAMP

 

Gütersloh/Bielefeld. Allzu groß waren die Hoffnungen ohnehin nicht. Nun haben sie sich endgültig zerschlagen. Die Bezirksvertretung (BZV) Senne der Stadt Bielefeld bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Ostumfahrung als Teil der seit Jahrzehnten geplanten und auf Gütersloher Seite ersehnten Ortsumgehung Friedrichsdorf. Damit sind die Pläne für das rund elf Millionen Euro teure Neubauvorhaben wohl endgültig beerdigt.

 

Sennes Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt (CDU) bestätigte auf NW-Anfrage, dass die BZV als zuständiges Stadtteilparlament sich vor einer Woche hinter verschlossenen Türen erneut mit dem heiklen Thema befasst habe. Dabei sei von den Mitgliedern die ablehnende Haltung quer durch alle Fraktionen bekräftigt worden, sagte Haupt. Eine Abstimmung habe es nicht gegeben, da ein geltender Beschluss bereits vorliege. Traditionell setzt sich in Bielefeld der Rat nicht über Entscheidungen der Bezirksvertretungen hinweg.

 

Der Punkt kam ohnehin nur deshalb erneut auf die Tagesordnung, weil bei einem Spitzengespräch von Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) mit ihrem Bielefelder Amts- und Parteikollegen Pit Clausen Mitte Februar vereinbart worden war, noch einmal die Chancen für einen Kompromiss in Sachen Ortsumgehung auszuloten.

 

Denn ohne eine solche Einigung sind die Aussichten gleich null, dass das von der Landesregierung Ende 2011 herabgestufte Projekt wieder eine hohe Priorität erlangt und damit vom Land finanziert wird. Der inzwischen abgelöste NRW-Verkehrsminister Harry Voigtsberger ließ damals mitteilen, bei den vorrangigen Planungen für den Neu- und Ausbau von Straßen seien die Umsetzbarkeit und die allgemeine Akzeptanz vor Ort entscheidende Kriterien.

 

Güterslohs Planungsamtschef Michael Zirbel geht, wie er gestern sagte, davon aus, dass sich daran nichts geändert hat. Vor diesem Hintergrund dürfte das endgültige Aus für die „aus fachlicher Sicht erforderliche Umgehung“ Friedrichsdorf besiegelt sein, sagte Zirbel unter Hinweis auf den Weiterbau der A 33 und die neue Abfahrt Buschkampstraße. „Aber dann ist es wohl vorbei.“

 

Denn eine Umgehung ohne den umstrittenen Abschnitt im Osten (L 791) hat der bei der Planung federführende Landesbetrieb Straßen NRW abgelehnt. Auch aus Sicht der Stadt Gütersloh sei ein vollständiger Verzicht nicht zu vertreten, da sonst keine Entlastung der Brackweder Straße und Paderborner Straße bewirkt würde, heißt es in einer älteren Stellungnahme für den Planungsausschuss.

 

Bezirksbürgermeister Haupt sagte, gegen die Südumgehung (L 788) spreche aus Sicht der BZV nichts, solange der Flächenverbrauch gering gehalten werde. Hingegen habe man sich von Anfang an gegen die erst viel später ins Spiel gebrachte Ostumgehung gewehrt. Größte Sorge der Senner sei, dass der Ortsteil Windflöte dann von Hauptverkehrsadern endgültig eingehaust werde, so Haupt. Zudem gingen wichtige Wegverbindungen nach Friedrichsdorf verloren.

 

Ähnlich äußerte sich Haupts Stellvertreter Andreas Burggräf (SPD). Er sei nicht zu verstehen, warum die Südumgehung nicht allein zu verwirklichen sei.

 

Neben der Gütersloher Ratsmehrheit kämpft seit Jahren vor allem eine Bürgerinitiative für die neue Straße und für eine Entlastung des Dorfs von Verkehr, Lärm und Staub. Laut Prognose würden nach dem Bau der Umgehung täglich nur noch 2.300 statt der vor einiger Zeit gezählten 10.000 Fahrzeuge die Avenwedder Straße im Ortskern passieren. Das wäre ein Rückgang um mehr als 75 Prozent.