Westfalen-Blatt "Kritik am Klimaschutzkonzept unerwünscht"

10.07.2013

»Reichen Sie Ihre Kritik schriftlich ein«

Umweltausschuss hat keine Lust, über einzelne Fehler im kommunalen Klimaschutzkonzept zu diskutieren

 

Gütersloh (WB). Florian Schulte-Fischedick (FDP) und Norbert Bohlmann (UWG) sind gegen Klimaschutz! Anders konnte sich die Mehrheit im Umweltausschuss deren Kritik am integrierten kommunalen Klimaschutzkonzept nicht erklären. 

Von Stephan Rechlin 

Nach 18 Expertengesprächen, fünf Tagungen von drei unterschiedlichen Workshops, der Gründung eines drei mal tagenden, begleitenden Arbeitskreises und der Aufstellung einer Gütersloher CO2-Bilanz listet das Bielefelder »e&u Energiebüro« eine Reihe von Maßnahmen auf, mit denen Gütersloh noch klimafreundlicher werden könnte. Dazu zählen der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien, mehr Kraft-Wärme-Kopplung und klimaschonendes Bauen und Sanieren. Dadurch sollen in den kommenden zehn Jahren 20 Prozent und innerhalb von 20 Jahren 30 Prozent des gesamten in Gütersloh freigesetzten Kohlendioxids eingespart werden. Mit Hilfe zusätzlicher Windkraftanlagen sowie groß- und kleinflächiger Photovoltaikanlagen soll der Anteil erneuerbarer Energien in zehn Jahren 25 Prozent erreichen. Einen ähnlich großen Anteil soll Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung beisteuern.

Schon beim Kopieren des Konzeptes sind Norbert Bohlmann (UWG) eine Reihe von Fehlern in den Grafiken und Berechnungen aufgefallen. Bohlmann las weiter und stieß auf jede Menge Rechtschreibfehler, Vergleichsdaten aus entfernten Regionen und fehlende Quellenhinweise. Erst die nachdrückliche Unterbrechung durch den Ausschuss-Vorsitzenden Dr. Siegfried Bethlehem (SPD) stoppte Bohlmann in seiner Aufzählung von Mängeln. »Reichen Sie Ihre 100 Einzelpunkte bitte schriftlich ein«, forderte ihn Umweltdezernentin Christine Lang auf. Norbert Bohlmann wundert sich: »Was soll das? Diese Fehler hätten doch der Verwaltung auffallen müssen, die das Konzept bestellt und bezahlt hat.« Die gereizte Reaktion auf seine Einwände habe ihn in seiner Vermutung bestätigt, dass Klimaschutz in Gütersloh vor allem eine feierliche Bekenntnis-Veranstaltung sei: »Die Maßnahmen werden beschlossen, ohne dass jemand das Konzept kritisch gelesen hätte.«

Den Vorwurf, er sei gegen Klimaschutz, will sich auch Florian Schulte-Fischedick (FDP) nicht gefallen lassen: »Das Konzept listet Maßnahmen auf, die in Gütersloh längst erfolgreich diskutiert und umgesetzt werden oder aber als undurchführbar verworfen wurden.« Der Rest sei pure Gängelei Gütersloher Bürger und Unternehmen.

So lehne die FDP die Schaffung einer neuen, 60 000 Euro teuren Stelle eines »Klimaschutzmanagers« ebenso ab wie die Vorschreibung von Passivhäusern als künftigen Gütersloher Neubaustandard: »Die EU wird ohnehin den Niedrigst- energiestandard vorschreiben. Darüber hinausgehende Regelungen braucht die Stadt Gütersloh nicht.« Florian Schulte-Fischedick warnte davor, die Konversionsflächen der britischen Armee mit Photovoltaikanlagen zu bebauen: »Wir brauchen Gewerbefläche.« Schließlich sei auch das Umweltamt inzwischen überflüssig, weil Umwelt- und Klimaschutz bereits in allen anderen Ressorts mit bearbeitet würden.