Neue Westfälische "Stadthallengutachten"

25.04.2012

„Keine neuen Erkenntnisse“

Politiker mit Gutachten zur Stadthalle unzufrieden

 

Gütersloh (ai). Die Studie der Unternehmensberatung Symbios zur Zukunft der Stadthalle (s. NW von gestern) findet zwar den ungeteilten Beifall der Verwaltung, von Politikern, vor allem kleinerer Fraktionen, kommt dagegen Kritik. Allen voran von der FDP, die im November eine solche Studie beantragt hatte. Ihrer Ansicht rechtfertigt das Ergebnis keinesfalls die Kosten in Höhe von 30.000 Euro.

 

Wie berichtet wurden in der Studie des Karlsruher Unternehmens zwei Alternativen vorgestellt: eine Sanierung für geschätzt 11 Mio. Euro und ein Neubaus für geschätzt 21,5 Mio. Euro. Hier müssten die Abschreibungen auf das bestehende Gebäude mit rund acht Mio. Euro hinzugerechnet werden. Genau wie die Verwaltung favorisieren die auf Veranstaltungsimmobilien spezialisierten Experten die Sanierung. Gleichwohl stellen sie klar, dass auch eine renovierte Stadthalle keine höheren Erlöse bringen werde. Es werde lediglich die Position im Wettbewerb verteidigt.

 

FDP-Fraktionschef Wolfgang Büscher bezeichnete die Vorstellung im Kulturausschuss am Montag Abend als „Show“. Untersucht worden sei maßgeblich der Status Quo der Stadthalle, die aufgelisteten Mängel seien aber bekannt. Die Zahlen, auf die die Kalkulationen für Neubau und Sanierung basierten, stammten von der Geschäftsführung der Kulturräume, eigene Berechnungen gebe es nicht. Die FDP habe aber konkrete Berechnungen gefordert und zwar für die Optionen Sanierung, Neubau in Eigenregie sowie Neubau durch einen privaten Investor mit oder ohne angegliedertem Hotel. Auch die Idee der FDP, einen Neubau auf der jetzigen Parkplatzfläche neben dem Theater zu errichten und die alte Halle während des Neubaus zu nutzen, verdiene Beachtung.

 

Büscher will nun den Vertrag zwischen Stadt und Unternehmen einsehen, „um zu prüfen, bei wem der Fehler liegt“. Notfalls erhalte Symbios kein Geld oder müsse nachbessern.

 

Unzufrieden äußerte sich auch Norbert Bohlmann (UWG). Er vermisst konkrete Aussagen darüber, ob es nicht sinnvoller sei, die für die Sanierung anfallende Summe in einen Neubau zu stecken, zumal grundlegende architektonische Mängel wie die unterschiedlichen Ebenen noch nicht mal beseitigt würden. „Die Frage ist doch, was für einen Neubau könnten wir für diese Summe bekommen?“ Bereits seit Jahren würde die Stadt jährlich rund eine Million Euro in die Stadthalle investieren, dies entfiele bei einer neuen, zweifellos kleiner dimensionierten Halle.

 

Norbert Morkes (BfGT) hält eine Investition in der Größenordnung von 11 Mio. Euro ohnehin für überzogen. „Wir brauchen eine Stadthalle für die Bürger, nicht für auswärtige Gäste.“ Die Aussage von Geschäftsführung und Symbios, dass die Stadthalle in ihrem Zustand nicht mehr wettbewerbsfähig sei, bezweifelt er.

 

Die beiden großen Fraktionen halten sich noch bedeckt. Ingrid Schrader (SPD) hätte sich konkretere Handlungsempfehlungen gewünscht. Einig ist sie sich mit Wilko Wiesner (CDU) darin, dass jetzt jeder einzelne Posten für die wohl unvermeidliche Sanierung auf den Prüfstein gehöre. Denn auf die Stadt kämen noch weitere große Investitionen hinzu, etwa die Feuerwehrwache oder der Ausbau des Betreuungsangebots für unter Dreijährige.