Westfalen-Blatt "Brandschutz Stadthalle"

23.06.2012

Leib und Leben bleiben erhalten

 

Die Stadthalle Gütersloh entspricht bis auf einige Kleinigkeiten den Brandschutzbestimmungen. So steht es jedenfalls im Brandschutzgutachten, in das BfGT und FDP jetzt einen Blick geworfen haben.

Besuch der Gütersloher Stadthalle ist doch nicht so gefährlich wie bisher angenommen

Von Stephan Rechlin und Carsten Borgmeier (Foto)

 

Gütersloh (WB). Auf gut vier dicke Ordner sei das Brandschutzgutachten zur Stadthalle Gütersloh verteilt. Es enthalte viele Informationen, die nicht an die Öffentlichkeit dringen dürften. Aus diesen Gründen hat sich Kulturdezernent Andreas Kimpel bisher geweigert, es den Mitgliedern des Kulturausschusses vorzulegen.

 

Das geheimnisvolle Brandschutz-Gutachten aber ist das Glutnest des gesamten Streites über Sanierung oder Neubau der Stadthalle. Das Leben und die Gesundheit von Stadthallenbesuchern seien in Gefahr, interpretierte der Kulturdezernent das Gutachten. Aus diesem Grund soll die Stadt gut 1,4 Millionen Euro allein in neue Brandschutz- und Elektroanlagen investieren. Die großen Fraktionen glaubten dem Dezernenten, schon allein, um nicht Leib und Leben der Stadthallen-Besucher zu riskieren. Die kleinen Fraktionen BfGT und FDP aber beantragten Akteneinsicht und schauten in dieser Woche nach.

In einer gemeinsamen Presseerklärung teilen die beiden Fraktionen und die Grünen das Ergebnis mit: »Gravierende Mängel wurden nicht festgestellt.« Aufgrund des aktuellen Brandschutzgutachtens bestehe weder Gefahr für »Leben und Gesundheit« der Stadthallen-Besucher noch seien konkrete Gefahren anderer Art zu erkennen. Im Juni 2010 habe das Gütersloher Ingenieur-Büro Gerhard Becker ein Brandschutzgutachten erstellt, das im Mai 2012 überarbeitet worden sei. In der Zusammenfassung und abschließenden Empfehlung stelle der Gutachter fest, dass »das Bauvorhaben« den Anforderungen an den baulichen und abwehrenden Brandschutz der Sonderbau- und Vergnügungsstättenverordnung entspreche. Da für die Stadthalle keine grundsätzliche bautechnische Sanierung vorgesehen sei, müsse jeweils im Einzelfall geprüft werden, inwieweit wesentliche Mehrkosten durch die Anpassung an die gültigen materiellen Anforderungen gegeben seien bzw. konkrete Gefahren vorlägen.

Dieser Befund rechtfertigt nach Ansicht von Norbert Morkes (BfGT), Marco Mantovanelli (Grüne) und Dr. Wolfgang Büscher (FDP) keine überstürzte Entscheidung über Sanierung oder Neubau der Stadthalle noch vor der Sommerpause. Aufgrund der neuen Erkenntnisse beantragen die drei Fraktionen eine Vertagung der Entscheidung. Sie erwarten von der Verwaltung die Belegbarkeit bisher vorgelegter Daten und Zahlen sowie die Vorlage eines Maßnahmenkataloges nach vier Kriterien: Sicherheitsrelevanz, Einsparungseffekt, Substanzverbesserung, optische Aufwertung.

Die Sanierung der Stadthalle ist neben dem Neubau der Rettungswache und Renovierung der alten Feuerwache eines der drei städtischen Großbau-Projekte der kommenden acht Jahre. Um sie ohne Neuverschuldung finanzieren zu können, hatte Kämmerin Christine Lang in dieser Woche eine Steuererhöhung vorgeschlagen. CDU und SPD hatten das Brandschutzgutachten nicht selbst einsehen wollen, signalisierten aber eine Prüfung, sollten neue Erkenntnisse daraus gewonnen werden.