Westfalen-Blatt "Stadthalle Sanierung auf der Kippe"

17.03.2012

Kritik in den Haushaltsreden

 

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Es geht nicht mehr nur um die Küche. Inzwischen steht die komplette Stadthallensanierung auf der Kippe. In den Haushaltsreden der Grünen, der BfGT und FDP hagelte es gestern deutliche Absagen mit teils ätzenden Kommentaren. Die CDU will nicht über Mindeststandards hinausgehen.

 

Der elf Millionen Euro teure Sanierungsvorschlag des Kulturdezernenten Andreas Kimpel greift nach Ansicht von Marco Mantovanelli (Grüne) zu kurz: »Er kostet viel und bringt uns wenig.« Mantovanelli glaubt nicht, dass eine neue Fassade und verbesserter Brandschutz mehr Veranstalter und Besucher in die Stadthalle locken könne: »Wir brauchen ein Konzept für die Stadthalle, das die Konkurrenzsituation zum Theater beseitigt und auf die Bedürfnisse unserer Stadt zugeschnitten ist.«

Norbert Morkes (BfGT) erinnern die Vorschläge Kimpels an den Bau des Schlosses Neuschwanstein durch den künstlerisch angehauchten König Ludwig II.: »Es hat den Anschein, dass der Gütersloher Kulturdezernent mit Unterstützung seines Hofstaates nach Errichtung des neuen Theaters jetzt auch (...) die Stadthalle in neuem Glanz erstrahlen lassen möchte, weil sie neben dem glänzendweißen Friedrichstadtpalast wie eine graue Maus wirkt und das gewünschte Gesamtensemble optisch erheblich stört.« Morkes zweifelte die Dringlichkeit der geforderten Investitionen und bezeichnete den von Andreas Kimpel erzeugten Zeitdruck, unter dem über eine neue Küche zu entscheiden sei, als unverantwortlich.

Dr. Wolfgang Büscher (FDP) warf Kimpel in seiner Rede »Amtswillkür« vor und unterstellte dem Dezernenten, mit der Situation überfordert zu sein. Mit seinem zu früh geäußerten Sanierungswunsch ignoriere Kimpel das Ergebnis eines 30 000 Euro teuren Gutachtens. Versöhnlichere Töne schlug CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer an: »Herr Kimpel, wir wissen alle, was es heißt, die Kulturräume in schwierigen Zeiten lebensfähig zu halten und mit Leben zu füllen.« Dann aber räumte auch Kollmeyer ein, dass die bevorstehenden Investitionen der Stadt die Luft zum Atmen nähmen. Die CDU stehe hinter den großen Vorhaben Stadthalle, Feuerwehr und Ausbau der U3-Betreuung. Doch angesichts des Schuldenstandes der Stadt sei bei der Umsetzung auf Zweckmäßigkeit zu achten, nicht auf eine Sonder- oder Luxusausstattung. Bei den Großprojekten Feuerwehrhauptwache und Stadthalle mit einem Gesamtvolumen von 30 Millionen Euro seien über Kostendeckelungen wie beim Theater und öffentlich-private Finanzierungen nachzudenken.