Westfalen-Blatt "Stadthalle unter Zeitdruck?"

16.05.2012

Kulturdezernent Andreas Kimpel möchte noch vor der Sommerpause über die Zukunft der Stadthalle entscheiden lassen. Foto: Borgmeier

Paul-Thöne-Halle wirft noch einen Schatten

 

Stadthalle: BfGT und Grüne wollen nicht unter Zeitdruck stehen

 

Gütersloh (rec). Akute Brandschutz-Probleme, Zeitdruck, Warnungen vor den negativen Folgen einer kritischen Debatte - der Streit um die Stadthallen-Zukunft ruft bei BfGT und Grünen schlechte Erinnerungen an die Debatte um den Zustand der Paul-Thöne-Halle hervor. Sie mündete im siebenjährigen Disput über den Bau eines neuen Theaters in Gütersloh.

Im Kulturausschuss gab sich Kulturdezernent Andreas Kimpel alle Mühe, diesen Eindruck eben nicht aufkommen zu lassen. »Ich habe nicht vor, mit einem Bagger vor die Stadthalle zu fahren,« distanzierte sich Kimpel von einer spektakulären Aktion seines Amtsvorgängers Ansgar Wimmer, der mit einem Löffelbagger die Abrissreife der Thöne-Halle optisch unterstreichen wollte.

In anderer Hinsicht aber folgt Kimpel seinem Amtsvorgänger. Er beschwört die Sanierungsbedürftigkeit von Stadthalle und deren Küche, doch die das belegenden Gutachten bleiben unter Verschluss. Auf Protest der BfGT stellt Kimpel fest: diese Unterlagen dürfen Ratsmitglieder nur auf speziellen Antrag und einzeln einsehen - wie bei einem Verwaltungsgerichtsverfahren. Er warnt vor unabsehbaren Folgen für den Fall, dass eine Entscheidung nicht vor den Sommerferien getroffen würde. Und er ermahnt Ausschuss-Mitglieder, durch ihre kritischen Äußerungen kein Negativ-Image für die Stadthalle heraufzubeschwören. Eine Vorlage mit neuen Varianten-Berechnungen lässt Kimpel in jenem Augenblick ins Ratsinformationssystem stellen, als der Ausschuss gerade im Konferenzraum der Stadthalle darüber berät.

Weder Hans-Peter Rosenthal (Grüne) noch Norbert Morkes (BfGT) vermochten nachzuvollziehen, warum sie in dieser Eile und unter solch einem Entscheidungsdruck mal eben zehn, elf Millionen Euro für eine »Revitalisierung« der Stadthalle genehmigen sollen. Sie fordern Offenheit, Transparenz und größere Gelassenheit. Norbert Bohlmann (UWG) ärgerte sich über die Vor-Festlegung auf eine Sanierung der vorhandenen Stadthalle: »Es geht um Aufgaben und um Geld. Lassen Sie uns doch zuerst einmal festlegen, wieviel Geld wir für welche Aufgaben aufbringen wollen. Danach können wir entscheiden, welches Gebäude wir wählen.« Wilko Wiesner (CDU) und Thomas Ostermann (SPD) stimmten Grünen und BfGT zu, ohne deren Empörung zu teilen: »Dann beantragen wir eben Akteneinsicht, schauen rein und falls wir etwas Gravierendes finden, reagieren wir darauf.« Diese Haltung scheint inzwischen auch die FDP zu teilen - Dr. Gerd Sonntag forderte detaillierte Informationen; von der Kritik am Kulturdezernenten und am unzulänglichen Symbios-Gutachten zur Stadthalle aber war nichts mehr zu hören.