Neue Westfälische "CDU und SPD bei Stadthalle einig"

22.05.2012

Mehrheit für Sanierung unter Dach und Fach / Heute Kulturausschuss

VON RAINER HOLZKAMP

 

Gütersloh. In der Debatte um die Zukunft der Stadthalle zeichnet sich eine Mehrheit ab – für den Vorschlag des Verwaltungsvorstands. Die beiden größten Ratsfraktionen CDU und SPD sprachen sich vor der heutigen Sitzung des Kulturausschusses dafür aus, die 32 Jahre alte Halle in drei Abschnitten zu renovieren. Unterdessen meldeten die kleineren Fraktionen noch Beratungsbedarf an. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass die Richtungsentscheidung, wie von Kulturdezernent Andreas Kimpel erhofft, vor der Sommerpause fällt.

 

In seiner Fraktion habe es ein sehr eindeutiges Votum für die Sanierung gegeben, sagte am Nachmittag CDU-Fraktionsvorsitzender Heiner Kollmeyer auf einer Pressekonferenz, an der auch seine Kollegen Wilko Wiesner, die Ausschussvorsitzende Marita Fiekas und CDU-Finanzexperte Thomas Foerster teilnahmen. Die Kosten für das Vorhaben sollen auf maximal neun Millionen Euro gedeckelt werden. Bei dieser Summe handelt es sich um die grob veranschlagten Kosten von zehn Millionen Euro, abzüglich knapp einer Million Euro Landeszuschuss. In dem Betrag sind auch die Kosten für den Umbau der Küche (je nach Ausstattungsvariante zwischen 250.000 und 750.000 Euro) enthalten.

 

Für die heutige Sitzung hatte die Verwaltung noch vier andere Modelle untersucht: Abriss ohne Ersatz, einfache „Pinsellösung“, Abriss und kleiner Neubau sowie Neubau einer Stadthalle in vergleichbarer Größenordnung (vgl. NW vom 15. Mai). Alle diese Optionen scheiden nach Ansicht der CDU aus. Entweder weil sie das Veranstaltungsangebot entscheidend schwächen, gar „Flickschusterei“ darstellen würden oder mit mindestens 26 Millionen Euro (für eine große Neubaulösung) viel zu teuer wären.

 

Ein ersatzloser Abriss komme auf keinen Fall in Betracht. Zwar sei die Stadthalle ein großes freiwilliges Zusatzangebot, aber für Gütersloh unverzichtbar, sagte Foerster. Das Haus werde von allen Bevölkerungsgruppen genutzt.

 

Ähnlich wie SPD-Fraktionschef Thomas Ostermann bezeichnete Wiesner das Gebäude als baukulturell erhaltenswert. „Mit der Sanierung bekommen wir eine moderne, an den Bedürfnissen des Marktes ausgerichtete Stadthalle.“

 

Besonderen Wert legten die CDU-Verantwortlichen darauf, dass die Kapazität von 1.000 Sitzplätzen nicht aufgegeben wird. „Das ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal“, bekräftigten sie das schon von Dezernent Kimpel vorgebrachte Argument.

 

Überhaupt fiel der recht freundliche Ton auf, mit dem die CDU die „Sitzungsvorlage der Verwaltung und der Bürgermeisterin“ bewertete. Die Fakten seien darin gut aufbereitet worden. Ohnehin dürfe das Thema nicht unnötig zerredet werden.

 

Marita Fiekas warnte zudem vor einer längeren Vakanz in der Stadthallen-Gastronomie. Dann könnten wichtige Kunden abspringen. Auch Kollmeyer forderte ein klares Signal nach außen, „dass es mit der Stadthalle weitergeht“. Zwar seien auch optische Verbesserungen unerlässlich, jedoch müsse der Schwerpunkt der Arbeiten in der Behebung der schweren Mängel beim Brandschutz liegen, hieß es.

 

Auch die SPD kann sich mit dem von der Verwaltung empfohlenen Vorgehen anfreunden. „Wir halten das grundsätzlich für richtig“, sagte Fraktionsvorsitzender Thomas Ostermann. Die Argumentation pro Sanierung in drei Schritten sei plausibel. Außerdem habe die Kämmerin signalisiert, dass das Vorhaben finanziell zu stemmen sei.

 

Um die Beteiligung der Öffentlichkeit zu gewährleisten, soll es nach Ansicht der SPD im Juni eine Bürgerversammlung geben. Ein groß angelegter Workshop, wie von der FDP vorgeschlagen, sei so rasch nicht zu realisieren. Daneben sollen sich die Bürger während der Bauphase laufend über das Internet einbringen und Vorschläge machen können.

 

In Sachen Brandschutz hegt die BfGT weiter Zweifel am Umfang der erforderlichen Sanierung. Sie forderte gestern, dass die Ergebnisse der zurückliegenden Brandschauen öffentlich gemacht werden. Wie Fraktionschef Norbert Morkes ankündigte, will die BfGT ihren vorige Woche auf Eis gelegten Antrag auf Vertagung der Richtungsentscheidung aufrecht erhalten. Denn im Gegensatz zu CDU und SPD hält die BfGT die Angaben der Verwaltung nicht für ausreichend.

 

Sollte die Stadthalle tatsächlich ab dem Jahr 2013 saniert werden, müssten ein anderes Großprojekt um mehrere Jahren verschoben werden. Offenbar ist davon der Neubau der zentralen Feuer- und Rettungswache betroffen.