Westfalen-Blatt "Wohnimmobilie Ottililenstraße"

09.05.2012

FDP-Ratsherr Hans-Dieter Krause

Das Wohnheim an der Ottilienstraße ist eines von 620 städtischen Objekten. Zehn Prozent davon stehen leer. Aussicht auf einen Balkon

 

Bauverein möchte städtisches Wohnheim an der Ottilienstraße kaufen

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). Das städtische Wohnheim an der Ottilienstraße ist leicht zu erkennen. Es ist das alte, braungraue, leicht runtergekommen wirkende Gebäude, das zwischen all' den rundum sanierten, bunt und fröhlich angestrichenen Wohnheimen des Gütersloher Bauvereins steht. Es hat keinen einzigen Balkon.

Wolfgang Schmelz, Geschäftsführer des Gütersloher Bauvereins, hat die Wohnheime an der Ottilienstraße für 2,5 Millionen Euro rundum sanieren lassen. Für das städtische Wohnheim (rechts) hat er vor zwei Jahren ein Kaufangebot abgegeben. Fotos: Carsten Borgmeier

 

Seit sechs Jahren hat die Stadt die Erlaubnis, solche renovierungsbedürftigen Häuser zu verkaufen. Der Bauverein würde es auch gerne erwerben. Vor zwei Jahren hat Geschäftsführer Wolfgang Schmelz dazu ein Angebot eingereicht: »Seitdem habe ich nichts mehr gehört.«

Allerdings darf der für die städtischen Immobilien zuständige Fachbereichsleiter Rainer Venhaus die Häuser nicht einfach so verkaufen - Grundsatzbeschluss hin oder her. Vor einer Ausschreibung muss er das Votum des Grundstücksausschusses einholen und vor einem Verkauf muss er noch mal um Erlaubnis fragen.

Statt zu verkaufen würde die Stadt ihr Wohnheim an der Ottilienstraße jedoch lieber für rund 200 000 Euro sanieren und weiter vermieten. Schließlich sind die Wohnungen allesamt belegt, die Mieter zahlen pünktlich und nach Abzug aller Kosten bleiben gut 10 000 Euro am Ende des Jahres in der Stadtkasse. Darüber hinaus peilt die Stadt einen höheren Kaufpreis an. Schon das Grundstück sei gemessen am Bodenrichtwert gut 380 000 Euro wert - also deutlich mehr als jene 260 000 Euro, die der Bauverein zuletzt geboten habe. Außerdem steht es zu diesem Richtwert auch in der städtischen Bilanz.

»Große Grundstücke sind im Mietgeschäft von Nachteil. Das Grün muss regelmäßig gepflegt werden, die Kosten dafür sind auf die Mieter umzulegen«, sagt Wolfgang Schmelz. Der Investitionsstau in dem städtischen Gebäude sei offenkundig: »Wir würden wie in den Nachbarhäusern 50 000 Euro pro Wohnung investieren, also gut 500 000 Euro für das gesamte Wohnheim.« Jede Wohnung würde dann auch einen Balkon bekommen.

Die Sanierung und Vermietung von 620 städtischen Wohnungen zählt nach Ansicht des FDP-Ratsherren Hans-Dieter Krause nicht zum Kerngeschäft einer Kommune. Durch Leerstände und Renovierungsstau verliere die Stadt Jahr für Jahr 234 000 Euro Einnahmen. Das Investitionsvolumen, mit dem die Stadt den Wert ihrer Häuser zu erhalten versuche, liege deutlich unter der jährlichen Abschreibung von 141 500 Euro. Krause: »Die Stadt verliert Jahr für Jahr ein Stück ihres Wohnungsvermögens.« Sein Appell lautet: Häuser und Wohnungen verkaufen, die Daseinsfürsorge für sozial schwache Mieter über individuell gewährte Mietzuschüsse leisten.

Im Grundstücksausschuss wurde gestern Abend eine weitere Variante beraten: der Bauverein könnte das Haus bekommen, würde für das Grundstück jedoch Erbpacht bezahlen. Das würde die städtische Bilanz vor einem Verlust bewahren und den Mietern einen Balkon verschaffen.