Westfalen-Blatt "Modellschule: Erfolg wird hochgerechnet"

07.09.2012

Stadt stellt Antrag beim Minister

 

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Gründung der ersten Modell-Sekundarschule im Kreis Gütersloh wird beim Schulministerium beantragt. Die Mehrheit im Schulausschuss schloss sich der positiven Interpretation der Ergebnisse der Elternbefragung an. Volker Ebeling (FDP) nicht.

 

Die Stadt hatte insgesamt 4210 Bögen verschickt, in denen Gütersloher Eltern ankreuzen sollten, ob sie ihre Kinder »ganz bestimmt«, »eher ja«, »eher nein« oder »bestimmt nicht« auf die geplante Modellschule schicken würden. Von 558 Eltern, deren Kinder bald eingeschult werden, antworteten 257, also 46,1 Prozent. Von 3652 Eltern, deren Kinder bald in die fünfte Klasse einer weiterführenden Schule (Sekundarstufe I) wechseln, sandten 2252 die Bögen zurück, also 61,6 Prozent. In beiden Fällen konnte Güterslohs Bildungsdezernent Joachim Martensmeier damit von repräsentativen Daten ausgehen.

Zum ersten Fall, der Anmeldung zur ersten Klasse der neuen Modellschule, antworteten 150 Eltern (58,4 Prozent), dass sie ihr Kind eher nicht oder bestimmt nicht dort anmelden würden; 107 Eltern (41,6 Prozent) würden ihr Kind dagegen eher doch oder ganz bestimmt dort anmelden. Zum zweiten Fall, der Anmeldung zur fünften Klasse der neuen Modellschule, lehnten 1322 Eltern (58,7 Prozent) den Besuch dieser Schule ab; für 930 Eltern (41,3 Prozent) kommt er dagegen in Frage.

Volker Ebeling (FDP) vermochte angesichts dieser Abstimmungsergebnisse beim besten Willen kein »eindeutiges Votum der Eltern für diese Schule« (Monika Paskarbies, CDU) zu erkennen: »Das Ganze läuft auf eine Art Laborschule ohne Oberstufe hinaus. Ich weiß nicht, warum Eltern ihre Kinder solch einem Experiment aussetzen sollten.«

Monika Paskarbies und mit ihr sämtliche Ausschuss-Mitglieder aus SPD, Linken, Grünen, BfGT und UWG folgten dagegen der Interpretation des Dezernenten Joachim Martensmeier. Weil der Rücklauf der Fragebögen nicht die Ansicht von 100 Prozent aller Eltern widerspiegelt, darf die Stadt die ermittelten Umfrageergebnisse hochrechnen. Dazu wählte Martensmeier die denkbar ungünstigste Formelvariante aus. Darin wird kalkuliert, dass gerade einmal ein Drittel aller Eltern, die ihr Kind »eher ja« in der ersten oder fünften Klasse der neuen Schule anmelden würden, das am Ende auch tatsächlich tun. Sogar nach dieser Variante aber kommen der Hochrechnung zufolge genug Schüler zusammen, um in der Grundschule zweizügig und in der darauf aufbauenden Sekundarstufe (Klasse 5 bis 10) dreizügig zu beginnen. Bei aller Kritik an der pädagogischen Ausrichtung der neuen Schule räumte Ebeling die Rechtmäßigkeit der Hochrechnung ein.