Westfalen-Blatt "Ein Streit zur falschen Zeit"

24.11.2012

Zum traditionellen Grünkohl-Essen der FDP spricht Europa-Politiker Alexander Graf Lambsdorff

 

Gütersloh (rec). Grünkohl ist nicht nur vitaminreich, er muss auch eine beruhigende Wirkung ausüben: Sonst hätten sich die FDP-Mitglieder im Saal des Restaurants Amadé nicht so gelassen von ihrem Europa-Abgeordneten Alexander Graf Lambsdorff die Leviten lesen lassen.

Die FDP im Kreis Gütersloh war aktiv an der Organisation des Mitglieder-Entscheids zur Europa-Politik ihrer Parteiführung in Berlin beteiligt. Kreisvorsitzender Michael Böwingloh mobilisierte die Liberalen in ganz Deutschland von Verl aus. Alexander Graf Lambsdorff, ein Neffe des früheren Bundesministers Otto Graf Lambsdorff, freute sich dann auch über den erfrischend lebhaften und kontroversen Streit in der Partei. Nur der Zeitpunkt störte ihn: »Meine Damen und Herren, wir sind in der Regierung.« So sei der Eindruck entstanden, dass Kanzlerin Angela Merkel auf der Brücke das Schiff durch die europäischen Untiefen lenke, die FDP aber im Unterdeck um den Kurs streite. Mit fatalen Folgen, Lambsdorff: »Die CDU kommt in Umfragen auf 40 Prozent, die FDP auf vier.«

An dem Kurs der Kanzlerin aber gebe es nichts zu rütteln: »Zur Rettung Griechenlands gibt es weder wirtschaftlich noch politisch eine Alternative.« Die FDP habe diesen Kurs im Mitgliederentscheid bestätigt und Lambsdorff bat eindringlich, diese Entscheidung nun auch zu akzeptieren und nicht mit Untergangsszenarien zu konterkarieren.

In der Koalition sorge die FDP dafür, dass die CDU auch auf dem eingeschlagenen Kurs bleibe: »Ohne uns hätten die Sanktionen im Falle wiederholter Verstöße gegen den Stabilitätspakt keine Zähne.«

Dem Gütersloher FDP-Ortsvereinsvorsitzenden Dirk Stockamp lag noch die eine oder andere Frage auf der Zunge. Doch um des lieben Grünkohls willen ließ er es dabei bewenden, ehrte Dr. Gerd Sonntag (25 Jahre Mitglied) und Eckhard Fuhrmann (40 Jahre, der Organisator der Veranstaltung) und bat zum Buffet.