Neue Westfälische "Lambsdorff will mehr Europa"

24.11.2012

Liberaler plädiert beim Grünkohlessen für eine Rettung Griechenlands

VON ROLF BIRKHOLZ

 

Gütersloh. Gesunde Staatsfinanzen und Strukturreformen sieht Alexander Graf Lambsdorff als die zwei Pfeiler einer „neuen Stabilitätskultur“ in Europa.

 

Als Redner beim traditionellen, inzwischen 40. Grünkohlessen der Gütersloher FDP ließ der erste stellvertretende Vorsitzende der Fraktion der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) im Europäischen Parlament keinen Zweifel, dass die FDP die Stabilisierung des Euro stütze.

 

„Das Gesicht der FDP, wenn es um Europa geht“, begrüßte der Ortsvorsitzende Dirk Stockamp den Neffen des ehemaligen Bundesministers Otto Graf Lambsdorff vor rund 100 Gästen im Restaurant Amadé, darunter auch Bürgermeisterin Maria Unger (SPD), ihre Stellvertreterin Monika Paskarbies (CDU), der frühere Stadtdirektor Dr. Gerd Wixforth und der ehemalige Beigeordnete Dr. Klaus Wigginhghaus (SPD).

 

„Die Lage ist wirklich sehr ernst“, stellte Lambsdorff angesichts der Schuldenkrise fest. Und wer gegen Verträge verstoße, dürfe keine Solidarität erwarten, sagte der Kölner mit Blick auf in Schieflage geratene Staaten. Doch: „Wut ist ein schlechter Ratgeber.“ Die FDP sei in der Regierung, und da gelte es abzuwägen. Ein Ausscheiden Griechenlands sei aus finanz- und wirtschaftpolitischer Sicht „brandgefährlich“, denn es könnten weitere Länder folgen und das bedeutete das Ende des Euro.

 

Dann gäbe es wieder Zölle und davon wäre Deutschland als Exportnation „am schlimmsten betroffen“, so der 46-Jährige. Zollschranken führten zu einer „politischen Renationalisierung, etwas, gegen das sich die FDP immer gewehrt hat.“ Die Partei habe lange gerungen, ob sie einer Stabilisierung zustimme - und er selbst habe etwa auch mit dem Gütersloher Kreisvorsitzenden Michael Böwingloh „die Klingen gekreuzt“ (wie dieser nickend bestätigte).

 

Doch habe sich die FDP, die „das ordnungspolitische Gewissen dieser Koalition ist und bleiben muss“, der Verantwortung für Europa gestellt. Und tatsächlich sei „mehr Europa“ nötig. Denn es müsse kontrolliert werden, ob Wettbewerbsfähigkeit stärkende Strukturreformen auch umgesetzt würden. Dabei komme es in Deutschland und Europa auf die Liberalen an. „Die FDP wird gebraucht.“