Westfalen-Blatt "Gewerbeflächenmangel"

16.07.2012

Von Stephan Rechlin

Der Gewerbeflächenmangel in Gütersloh ist ein Luxusproblem. Ob in Spexard, Avenwedde, Friedrichsdorf, Pavenstädt, Blankenhagen oder Kattenstroth: wer ein hübsches Eigenheim und einen gepflegten Garten hat, möchte nicht täglich an die Grundlagen seiner Existenz erinnert werden. Und die liegt eben allzu oft nicht im hell und durchlässig designten Wohnzimmer mit Kamin, in niedlichen Gemüsebeeten und Apfelbäumen, sondern in industriellen Produktions- und Montagehallen.

Güterslohs Stadtbaurat Josef E. Löhr und sein Planungsamtsleiter Michael Zirbel haben darauf immer wieder hingewiesen, wenn auch behutsam. Hätte ihr Gewerbeflächenkonzept aus dem Jahre 2008 eine Mehrheit gefunden, müsste die Stadt heute nicht wieder ganz von vorn mit der Suche beginnen. Sie schlugen damals 30 Hektar südlich und 50 Hektar nördlich der Marienfelder Straße vor - selbstverständlich in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Detmold. Diesen Vorschlag reduzierten CDU und Grüne im Planungsausschuss in zwei Jahren Diskussion auf 30 Hektar südlich der Marienfelder und 21 Hektar in Halle - ein Beschluss, den die eng eingebundene Bezirksregierung dann in Bausch und Bogen kassierte.

Darum klingt die Ankündigung des Stadtbaurates, jetzt erneut in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung in aller Ruhe rund um den Flughafen nach neuen Gewerbeflächen zu suchen, nach behördenfrommer Entspannungstechnik. Denn was soll, und das weiß der Stadtbaurat besser als jeder andere, die immer schon eng eingebundene Bezirksregierung anderes genehmigen als das, was ihr die Landesregierung erlaubt? Und deren Marschrichtung steht inzwischen fest: insgesamt weniger Gewerbefläche, kreisweite Berechnung, nur noch interkommunale Gebiete. Es ist bezeichnend, dass sich nur die FDP darüber aufregt. Die in den Stadtteilen verankerte Gütersloher CDU mag diese Marschrichtung insgeheim sogar begrüßen.