Westfalen-Blatt "Gewerbegebiete"

11.07.2012

Die Uhr läuft ab.

Solange nicht klar ist, was aus dem Flughafen wird, lässt die Bezirksregierung dort kein Gewerbe zu. Land plant eine kreisweite Gewerbeflächen-Zuteilung und Gütersloh hat nichts zu bieten

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). In der Stadt Gütersloh wird es künftig so gut wie keine Investitionen in neue Firmen mehr geben können. Das Land plant, den Gewerbeflächenbedarf stark zu reduzieren und nur noch kreisweit zu berechnen. Gütersloh hinkt weit hinterher.

Der FDP-Ratsherr Dr. Wolfgang Büscher ist Mitglied eines Landesplanungs-Beirates und warnt vor der neuen Gewerbeflächen-Berechnung. Eine Chance für Gütersloh sieht er in den Flächen nördlich der Princess-Royal-Kaserne an der Marienfelder Straße.

Die Bevölkerung schrumpft und freie Flächen sind zu schonen. Und weil jeder Regierungsbezirk in Nordrhein-Westfalen seine Gewerbeflächen anders kalkuliert, strebt das Land eine Vereinheitlichung an - Kreisen und Kommunen sollen dabei kleine Spielräume erhalten bleiben. Das neue Gewerbeflächen-Berechnungsmodell stammt aus einem Gutachten des Institutes für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen (RWTH), es wird derzeit einem Testlauf in acht Kreisen unterzogen.

Der Gütersloher FDP-Ratsherr Dr. Wolfgang Büscher ist als Geograph in einem Ausschuss für Landesplanung des Städte- und Gemeindebundes, in dem das Gutachten beraten und zur Umsetzung empfohlen wurde: »Wenn aus der Empfehlung ein Gesetz wird, verliert Gütersloh zwei Drittel der heute noch genehmigungsfähigen Gewerbefläche. Der Rest wird mit dem Bedarf im gesamten Kreis Gütersloh verrechnet.« Vorhandene Betriebe könnten dann vielleicht noch im Bestand wachsen, Neuansiedlungen aber seien so gut wie ausgeschlossen: »Wir haben ja keine freie Gewerbeflächen mehr.«

Tatsächlich versucht Gütersloh seit mehr als zehn Jahren, irgendwo in der Stadt noch 71 Hektar Gewerbefläche auszuweisen - soviel gesteht die Bezirksregierung derzeit noch zu. Wo immer die Stadt auch eine Fläche vorschlägt, stößt sie auf den Widerstand von Anwohnern, die damit auch stets Erfolg haben. Den jüngsten, hart ausgehandelten Kompromiss, 51 Hektar südlich des Flughafens an der Marienfelder Straße auszuweisen, hat die Bezirksregierung kassiert: zu ungewiss, zu stark abhängig von der künftigen Flughafennutzung. Die 21 Hektar, mit denen sich Gütersloh am interkommunalen Gewerbegebiet Ravenna in Halle beteiligt, werden nicht auf die 71 Hektar angerechnet - sie gelten als Kompensation für die Gewerbefläche, die dem Porta-Möbelmarkt zur Verfügung gestellt wurde.

Die Absicht Bürgermeisterin Maria Ungers, erst im kommenden Jahr ein neues Gewerbeflächenkonzept zu verabschieden, hält Dr. Wolfgang Büscher für einen großen Fehler: »Wir müssen uns so schnell wie möglich auf eine Fläche verständigen, unbedingt noch in diesem Jahr.« Nur damit gebe es eine Chance, sie ins neue Berechnungsmodell einfließen zu lassen. In Frage kommt nach Ansicht Büschers dafür nur die auch von der BfGT vorgeschlagene Fläche nördlich des Flughafens an der Marienfelder Straße: »Dazu müssen Gespräche mit Harsewinkel geführt werden.«