Neue Westfälische "Gastronomie in der Stadthalle"

16.05.2012

Heißer Kandidat aus Bielefeld: Endauswahl zur Gastronomie-Nachfolge in der Stadthalle

VON RAINER HOLZKAMP

 

Gütersloh. Erst Klarheit, dann die Unterschrift. Auf diese Formel lässt sich die Haltung der Bewerber für die Übernahme der Gastronomie in der Stadthalle bringen. Denn wie Dezernent Andreas Kimpel und ein Fachberater des mit dem Auswahlverfahren beauftragten Hagener Büros Syndicus Management den Mitgliedern des Kulturausschusses hinter verschlossenen Türen erläuterten, wollen die Kandidaten die Entscheidung der Politiker über Sanierung oder Neubau der Halle abwarten, bevor sie einen Pachtvertrag abschließen.

 

Kimpel, so hieß es von mehreren Seiten, habe in der Sitzung unmissverständlich klar gemacht, dass allein die Geschäftsführung der Kulturräume entscheide, wer die Nachfolge von Olaf Sieweke antrete. Das sei ein Geschäft der laufenden Verwaltung und falle daher nicht in die Zuständigkeit des Ausschusses, der gleichwohl auf dem Laufenden gehalten werden solle.

 

Dem Vernehmen nach sind fünf der insgesamt 19 Bewerber in der Endauswahl. Zwei von ihnen haben sich – entsprechend der Ausschreibung – bereit erklärt, die komplette Gastronomie mit Stadthallen-Catering, Sinfonie-Restaurant und Betrieb der Skylobby im Theater zu übernehmen. Zwei andere wollen auf das Restaurant verzichten und sich auf das Catering beschränken. Zudem gebe es ein Von-Fall-zu-Fall-Angebot.

 

Namen wurden zwar weiterhin nicht genannt. Allerdings soll nach NW-Informationen ein Bielefelder Catering- Unternehmen zu den heißen Anwärtern gehören. Die Firma betreibt unter anderem die Restaurants Noodles und Bültmannshof sowie einen Weinfachhandel.

 

Solange jedoch kein fester Vertrag unterzeichnet ist, will die Geschäftsführung Einzelentscheidungen über die Bewirtung der Kunden treffen. Wie berichtet, hat sich Olaf Sieweke – aus nach wie vor öffentlich nicht dargelegten Gründen – gegen eine Verlängerung des Pachtvertrags und für einen Neuanfang im „Michelswirth“ in Avenwedde entschieden. Er verlässt die Stadthalle nach den letzten Abi-Bällen.

 

Beobachter gehen nicht davon aus, dass der Kulturausschuss bereits kommenden Dienstag die Weichen für die Zukunft der Stadthalle stellt. Zwar liegt dem Gremium seit Montagabend ein Beschlussvorschlag der Verwaltung vor, der eine zehn Millionen Euro teure Sanierung in drei Abschnitten beinhaltet (vgl. NW von gestern). Allerdings sollen dann auch wieder die Vertagungsanträge von BfGT und FDP behandelt werden.

 

Derzeit sieht es so aus, als sollte vor der Sommerpause keine Entscheidung mehr fallen, da sämtliche Fraktionen sich erst am Montag wieder für eine möglichst breite Bürgerbeteiligung in dieser Frage stark gemacht haben. Ob dies in Form eines Workshops (wie von der FDP vorgeschlagen) umgesetzt wird, oder die Internetplattform zum Bürgerhaushalt dazu mitgenutzt wird (wie von der BfGT bevorzugt), ist noch nicht klar.

 

Sollte erst im September oder noch später eine Entscheidung fallen, könnte der bisherige Zeitplan für den geplanten Umbau durcheinandergeraten. Der kaufmännische Betriebsleiter der Kulturräume, Ralph Fritzsche, sagte, der Baubeginn könne dann vermutlich erst ein ganzes Jahr später erfolgen, also 2014 statt 2013. Grund sei neben dem notwendigen Vorlauf der Umstand, dass die Arbeiten auf erweiterte veranstaltungsfreie Zeit im Sommer (Mai bis August) beschränkt werden sollen.

 

Dezernent Kimpel bleibt zuversichtlich. Er hoffe, sagte er gestern, dass der Rat Ende Juni grünes Licht gibt.