Westfalen-Blatt "Stadt verzichtet auf Flughafen"

23.03.2012

Gütersloh verzichtet auf den Flugplatz

Einstimmiges Votum im Planungsausschuss

 

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die Stadt Gütersloh schreibt ihren Flugplatz ab. Der Planungsausschuss folgte gestern Abend einstimmig dem Antrag der Plattform Plus, auf die Möglichkeit von Geschäftsflugverkehr fortan zu verzichten. Die Bezirksregierung soll umgehend über diesen Beschluss informiert werden.

 

Die Bezirksregierung ist ein wichtiger Adressat, weil sie die Genehmigung eines Gewerbegebietes südlich der Marienfelder Straße angeblich von einem Verzicht auf die Geschäftsflug-Option abhängig macht. Dieser Zusammenhang bewog eigenen Angaben zufolge den bisherigen Flugplatz-Befürworter Dr. Wolfgang Büscher (FDP), dem Plattform-Antrag zuzustimmen: »Angesichts der enormen Kosten hat der Betrieb des Flugplatzes Gütersloh keine Zukunft mehr.« Im Mai, so teilte Planungsamtschef Michael Zirbel mit, möchte die Bezirksregierung einen Workshop zum Thema Gütersloher Gewerbeflächen abhalten. In dem soll auch über die bisher abgelehnten Flächen südlich der Marienfelder Straßen gesprochen werden - auf diese Flächen hatte sich der Planungsausschuss nach jahrelanger, kontroverser Debatte verständigt. Die im Kreistag geführte Debatte über das mittelfristig drohende Ende des Flughafens Paderborn-Lippstadt und neue Gutachten, die zur Substanz des Gütersloher Flugplatzes eingeholt werden, spielten im Gütersloher Ausschuss gestern Abend keine Rolle. Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) zählte noch einmal rasch die Argumente auf, die aus Sicht der Plattform Plus fortan gegen den Flugplatz sprechen: Kosten, Lärm, das Gewerbegebiet und der Bau von Windrädern auf dem irgendwann einmal frei werdenden Areal. Süffisant wies Norbert Morkes (BfGT) darauf hin, wie sein vor einem Jahr gestellter Antrag auf ein Ende des Flugplatzes noch von der Plattform Plus abgeschmettert worden sei: »Es hieß, der Planungsausschuss sei dafür nicht das richtige Gremium. Ich hoffe, er ist es diesmal.« Auch Ingrid Schrader (SPD) stellte fest, dass sich die Mehrheit nun endlich der Meinung ihrer Fraktion über den Flugplatz anschließe.

Den letzten Versuch, den Flugplatz zu retten, unternahm Manfred Reese (Linke). Er könne sich vorstellen, dort nicht motorisierten Flugverkehr weiterhin zu genehmigen. Stadtbaurat Josef E. Löhr sagte daraufhin gar nichts und rieb sich die Stirn. Planungsausschuss-Vorsitzender Heiner Kollmeyer (CDU) warnte vor Kollisionen mit den Windrädern und sagte: »Danke für Ihren Beitrag, Herr Reese.«