Neue Westfälische "Neue Sekundarschule"

20.07.2011

Schulkonsens sorgt für geteilte Meinungen. Politiker aus der Region äußern sich zur Einigung

VON FRIEDERIKE EDLER

 

Gütersloh. Nachdem sich die Regierungsparteien SPD und Grüne mit der CDU-Opposition auf einen Kompromiss im jahrzehntelangem Streit um die Schullandschaft in NRW auf eine Sekundarschule ab 2012 geeinigt haben, äußern sich auch die heimischen Fraktionsmitglieder positiv zu der Einigung – bis auf eine Ausnahme.

 

„Mit dem Kompromiss haben wir unser zentrales Anliegen, das längere gemeinsame Lernen, abgesichert. Durch die neue ’Sekundarschule’, die viele Aspekte unseres Gemeinschaftsschul-Modells übernimmt, geben wir den Kommunen die Möglichkeit, vor Ort ein leistungsfähiges, qualifiziertes und zukunftsorientiertes Schulangebot zu gewährleisten, das kein Kind zurück lässt“, heißt es seitens der SPD, für die der heimische Abgeordnete Georg Fortmeier im Landtag sitzt.

 

Als guten Tag nicht nur für NRW sondern auch die Stadt Gütersloh und den Kreis sieht Wibke Brems, Landtagsabgeordnete der Grünen, die Entscheidung. „Mit den ’Gemeinsamen Leitlinien’ geben die drei großen Parteien die Zusage, dass für die nächsten zwölf Jahre ein verlässlicher Rahmen für die Schulentwicklung gegeben ist. Das gibt die notwendige Ruhe und Klarheit für die Entscheidungen vor Ort.“

 

Auch Sigrid Beer, parlamentarische Geschäftsführerin und bildungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion stimmt bei: „ Auf das heutige Signal haben Eltern, Schulen und Schulträger in Ostwestfalen sehnsüchtig gewartet. Die notwendige Schulentwicklung wird nicht mehr ausgebremst, sondern von einer breiten Mehrheit im Parlament getragen.“Längeres gemeinsames Lernen werde ermöglicht, Schulstandorte könnten nachhaltig gesichert werden. Die Qualität und Leistungsfähigkeit des Schulsystems werde weiterentwickelt.

 

Landtagsmitglied Ursula Doppmeier (CDU) begrüßt die Einigung in der Schulpolitik. Wesentliche Positionen der CDU seien umgesetzt. Das Schulsystem bleibe mehrgliederig. Gymnasium, Realschule und dort, wo es gewünscht ist, blieben auch die Hauptschulen erhalten. „Die Gleichbehandlung der unterschiedlichen Schulsysteme wurde heute auf den Weg gebracht. Die Union konnte diesen Kompromiss zur Schulpolitik mittragen. Unser Hauptanliegen, dass die Eltern selbst entscheiden können, welche Schulform ihre Kinder besuchen, ist durch den heutigen Kompromiss ermöglicht worden.“

 

Durch die Entscheidung habe der Elternwille immer noch oberste Priorität. „In unserem Land gilt es weiterhin, die unterschiedlich begabten und talentierten Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern“, betont die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag.

 

Weniger zustimmend ist dagegen die Meinung der FDP. Dr. Wolfgang Büscher, Fraktionsvorsitzender des FDP-Ortsverbands und selbst seit 35 Jahren Lehrer, äußert Bedenken: „Ich erlebe die Schule seither als ständige Baustelle, die von einer Reform in die nächste schlittert. Der Kompromiss führt zu einer neuen Schulform, für die Umbauten notwenig sind. Die Kommunen haben kein Geld und werden wohl auf den Kosten sitzen bleiben.“ Es brauche keine neuen Schulformen, so Büscher, sondern vielmehr neue Inhalte und kleinere Klassen.