Westfalen-Blatt "Marketing GmbH hat »Geburtsfehler«"

24.03.2011

Stadt schreibt Hoffnung auf Eigenfinanzierung ab - alte Gräben brechen wieder auf

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). Die Stadt Gütersloh schreibt die Hoffnung auf eine sich selbst tragende Stadtmarketing GmbH (GTM) ab. Im Finanzausschuss bezeichnete Beigeordnete Christine Lang diese im Ratsbeschluss zur GTM-Gründung formulierte Bedingung als »Geburtsfehler«.

 

Wörtlich stellte die Beigeordnete fest: »Die Vorstellung, dass sich das Gütersloher Stadtmarketing nach ein paar Jahren selber trägt, hat sich als völlig unrealistisch erwiesen. Ein Stadtmarketing trägt sich in keiner einzigen Stadt der Republik selbst.« Die Bemerkung über den Geburtsfehler katapultierte die Debatte im Ausschuss zurück ins Geburtsjahr 2002 der GTM. Der damalige Graben zwischen Gegnern und Befürwortern einer aus der Verwaltung herausgelösten GmbH klaffte wieder auf - allerdings in neuer Konstellation und mit neuen Argumenten.

Uneingeschränkte Befürworter der GTM bleiben CDU, UWG und FDP. CDU-Fraktionschef Heiner Kollmeyer warb für eine Fortsetzung des »Erfolgsmodells« unter dem eng gesetzten finanziellen Rahmen. Peter Kalley (UWG) wies darauf hin, dass jeder Euro Zuschuss einen weiteren Euro Ertrag herbeigeführt habe: »Was wollen wir mehr?« Hans-Dieter Krause (FDP) empfahl, das Stadtmarketing stärker in die Wirtschaftsförderung einzubetten und zu einem Standort-Marketing auszubauen. Neu in der Befürworter-Gruppe sind die Linken.

Immer noch mit im Team sind die Grünen. Im Gegensatz zur CDU aber vermochte Fraktionssprecher Marco Mantovanelli keinen breiten Konsens hinter der GTM zu erkennen, im Gegenteil: »Die Kritik an der GTM ist vor allem im Bürgerhaushalt sehr deutlich ausgefallen.« Von Mantovanelli stammte der mehrheitsfähige Antrag, es bei einer Vertragsverlängerung um vier statt um fünf Jahre zu belassen und nach zwei Jahren eine intensive Prüfung vorzunehmen.

Die SPD bleibt Fundamentalgegner der GTM. Thomas Ostermann wies die Kritik zurück, die SPD lehne die GmbH aus ideologischen Gründen ab: »Wir haben immer Zahlen gefordert. Sie sind entweder nie erreicht worden oder wurden gar nicht erst vorgelegt.« Weder die Standortgemeinschaften noch das City-Marketing seien bis heute verwirklicht worden: »Nur Ticketing reicht nicht.«

Norbert Morkes (BfGT) staunte, wie unbekümmert Beigeordnete Lang bereit sei, mit ihrer Bemerkung vom Geburtsfehler einen formellen Ratsbeschluss zu verabschieden: »Unter dieser Bedingung wurde der GTM damals überhaupt nur zugestimmt.« Weil es eine Mehrheit gab, seien alternative Vorschläge nie geprüft worden. GTM-Gegner Morkes schlug vor, eine Vorverkaufsgebühr von den Kulturräumen zu fordern.