Westfalen-Blatt "Neue Pläne zur Zukunft der Stadthalle"

31.08.2011

Gütersloh (WB). Ist die Gütersloher Stadthalle noch zeitgemäß? Ist sie auf lange Sicht noch wettbewerbsfähig und wirtschaftlich? Fragen, mit denen sich jetzt Politik und Verwaltung beschäftigen. Fest steht: Die Stadthalle steht auf dem Prüfstand. Will heißen: Zur Diskussion stehen die Sanierung, der Abriss und der Neubau einer Stadthalle.Politik und Verwaltung sind einer Meinung: »Die Stadthalle Gütersloh ist nicht mehr zeitgemäß.« Jetzt muss ihre Zukunft diskutiert werden. Soll saniert, abgerissen oder neugebaut werden? Erste Entscheidungen werden im Herbst erwartet. Eine neue Stadthalle muss auch zum neuen Theater passen. Fotos: Wolfgang WotkeEin interner Entwurf (»Quo vadis, Stadthalle Gütersloh?«) liegt bereits der Kommunalpolitik vor. Das Konzept ist vom Beigeordneten und Kulturdezernenten Andreas Kimpel ausgearbeitet worden. Darin enthalten sind eine Bestandsaufnahme und eine Analyse, Lösungsansätze, strategische Ziele sowie Herausforderungen. So gibt es in dem Schriftstück drei Varianten: 1. eine ökologische Grundsanierung; 2. ein Abriss, so dass der Fokus auf das neue Theater gerichtet ist; 3. der Neubau einer Stadthalle als wirtschaftlichere Alternative zur Grundsanierung des bestehenden Gebäudes.»Das alles sind lediglich Vorüberlegungen. Aber wir haben uns bereits in dieser Sache klar positioniert«, erklärt FDP-Fraktionschef Dr. Wolfgang Büscher im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Seine Partei sei für den Abriss und den Neubau einer Stadthalle. Büscher liefert die Gründe gleich mit: »Da gibt es neue Brandschutzbestimmungen, die für die Halle nicht mehr ausreichen. Die gesamte Elektrik muss erneuert werden, die Räume sind für Veranstaltungen und Meetings zu dunkel und zu klein geworden.« Eine Grundsanierung und Modernisierung, so Büscher, würde bis zu 7,5 Millionen Euro kosten. »Damit würden wir die Stadthalle nur für rund zehn Jahre fit machen. Dann sollten wir wirklich überlegen, ob ein Abriss und Neubau für die Zukunft nicht besser sind.« Büscher schätzt dann die Kosten auf rund 12 bis 15 Millionen Euro. »Ob das zu realisieren ist, weiß ich nicht. Wir müssen rechnen.« Vielleicht sei die Abrissbirne manchmal besser als die Sanierung. Ein Neubau würde die Innenstadt noch einmal aufpolieren.Ähnlich sieht das Matthias Trepper, stellvertretender Fraktionschef der SPD: »Die Stadthalle ist ein brisantes Thema und muss unbedingt auf die Agenda. Der Brandschutz und die Energie sind hier die großen Problemfelder. Ein Abriss ohne Neubau kommt für uns nicht in Frage. Und eine Grundsanierung steht in keinem Verhältnis zu einem Neubau.«Zurückhaltender reagieren CDU-Fraktionsvorsitzender Heiner Kollmeyer und der Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus. »Wir wissen seit einiger Zeit um die Schwierigkeiten der Stadthalle, wie beispielsweise rückläufige Belegungen oder technische Probleme. Es ist nicht einfach, diese harte Nuss zu knacken. Wir müssen aber darüber reden«, sagt Kollmeyer und verweist auf einen Termin seiner Fraktion im November: »Da haben wir eine Tagung und werden uns noch einmal intensiv damit befassen.« Für Ralph Brinkhaus steht fest: »Die Verwaltung muss sich spätestens im Herbst dazu genau äußern. Wir brauchen Klarheit.«»Green Meetings« heißt das Zauberwort für eine zukunftsorientierte Nutzung einer Stadthalle. Ein Blick auf die Stadthalle Hagen zeigt, dass es ganz wichtig ist, auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und für die Problematik der Umweltbelastungen sensibilisiert zu sein. Deshalb ist sie bereits seit vielen Jahren als eine der ersten Hallen in Deutschland von Öko-Profit zertifiziert. Ihr Umweltbewusstsein liegt auf der Grundlage einer Umfassenden Erneuerung der Gebäudeleittechnik. Ihre Glasfassade verfügt über ein spezielles Isolierglas, das die Klima- und Umweltaspekte beachtet und zudem durch den großzügigen Einfall von Tageslicht den Stromverbrauch erheblich reduziert. Das alles fehlt in Gütersloh. Zwar sei die Stadthalle, so Trepper, erst vor drei Jahren renoviert worden. Aber das reiche längst nicht mehr aus. Trepper: »Wir müssen wissen, welche Kosten auf uns zukommen.«