Neue Westfälische "Luft bei Gewerbeflächen"

24.09.2011

40 Hektar sollen am Hüttenbrink und am Flugplatz „zeitnah“ bereitgestellt werden

 

Gütersloh (raho). Es bedurfter drastischer Beschreibungen der Verwaltung zum Gewerbeflächennotstand, ehe die Politiker handelten. Aber am Donnerstagabend zogen sie mit überraschender Plötzlichkeit die Konsequenz aus dem jüngsten Notstands-Bericht („Gewerbeflächen fast ausverkauft“, NW vom 15. September) des städtischen Immobilienspezialisten Rainer Venhaus und von Stadtbaurat Josef E. Löhr.

 

Zur Verblüffung der meisten anderen Fraktionen, zumal der SPD, die von der Initiative erst unmittelbar vor der Sitzung erfuhr und keine Zeit für interne Beratungen hatte, brachte die schwarz-grüne Plattform mit ihrem gemeinsamen Antrag als erstes das seit langem anvisierte Gewerbegebiet am Spexarder Hüttenbrink auf den Weg.

 

Wie CDU-Sprecherin Silva Schröder erläuterte, soll dazu ein Bebauungsplan aufgestellt werden, der zugleich einen Lärmschutz entlang der Autobahn zwischen Verler Straße und Spexarder Straße vorsieht.

 

Sie sprach sich zugleich erneut deutlich gegen eine von der Verwaltung erwogene Teillösung aus: in einem ersten Schritt nur zehn der insgesamt rund 23 Hektar zu entwickeln und dafür auf die von den Spexardern geforderte 1,7 Millionen Euro teure Autobahnbrücke am Berensweg als Haupterschließung zu verzichten. Das gehe am tatsächlichen Bedarf vorbei, meinte Schröder.

 

Thomas Krümpelmann, planungspolitischer Sprecher der SPD, signalisierte trotz merklicher Zerknirschtheit Zustimmung, da zwar das Vorgehen der Plattform nicht fair sei, aber inhaltlich Konsens bestehe. Auch sprach er sich klipp und klar für die Brücke aus, während im Antrag lediglich von „geeigneten Maßnahmen“ die Rede war, die sicherstellen sollen, dass der anfallende Verkehr aus dem Gebiet nicht über den Hüttenbrink/Verler Straße oder die westliche Spexarder Straße abfließt.

 

Norbert Bohlmann (UWG) hielt das Areal nach wie vor nicht für optimal, gab aber zu verstehen, dass er nicht strikt dagegen ist: „Wenn der Vegetarier zu verhungern droht, fängt er an, Fleisch zu essen.“

 

Da mussten selbst die schmunzeln, die dieses Gebiet rigoros ablehnten: Es sei noch nicht mal eine „Notlösung“, kritisierte Norbert Morkes (BfGT). Und Wolfgang Büscher (FDP) bezeichnete den Vorschlag gar als „Rumgurkerei“. Lediglich die Flächen am und auf dem Flughafen könnten die Defizite beheben.

 

So besserte sich die Stimmung des liberalen Fraktionsvorsitzenden schon bald, nämlich als die Plattform (diesmal in der Plus-Variante gemeinsam mit der UWG) beantragte, auch die Flächen (gut 20 Hektar) zwischen Flugplatzgrenze und dem Kompostwerk-Zubringer (Auf der Kosten) „zeitnah“ als Gewerbeareal zu entwickeln. In diesem Fall müssen neben dem unproblematischen Grunderwerb (Eigentümer ist der Bund) auch noch der Regionalplan und der Flächennutzungsplan geändert werden.

 

Birgit Niemann-Hollatz (Grüne) legte Wert darauf, dass an dieser Stelle Gewerbe mit einer hohen Arbeitsplatzdichte angesiedelt werde. Es sollten sich auch nur so viele Unternehmen niederlassen, dass keine neuen Straßen erforderlich werden.

 

Am Schluss der Debatte stimmten erneut fast alle Fraktionen für den Plattform-Antrag. Lediglich Linke und BfGT (die stattdessen ein Interkommunales Gewerbegebiet mit Harsewinkel nördlich der Marienfelder Straße befürwortet) votierten mit Nein.