Westfalen-Blatt "Proteste gegen Projekt Dial4Light"

19.11.2011

Nach Meinung von Jürgen Jentsch (am Mikro/Seniorenbeirat) entstehen durch die dunklen Straßen Angsträume. Foto: Berg

 

»Schaltet das Licht wieder an!«

 

Proteste gegen Projekt »Dial4Light«: Die Angst geht um

 

Gütersloh (mrg). In zwei Spexarder Siedlungen, in Blankenhagen, Niehorst und Avenwedde Bahnhof können Anwohner Straßenlaternen nach Mitternacht per Anruf einschalten lassen. Dazu müssen sie registriert sein und eine zwölfstellige Telefonnummer wählen. 

 

In einer Bürgerversammlung im Spexarder Bauernhaus monierten mehr als hundert Bürger dieses als »Dial4light« bezeichnete Verfahren. Eine Initiative von Bürgern und Mitglieder des Seniorenbeirats hatten eingeladen.

Es gehe darum, dass in einigen Wohnquartieren ab Mitternacht die Straßenbeleuchtung abgeschaltet werde und nur per kostenpflichtigem Anruf für eine Viertelstunde wieder eingeschaltet werden könne. Ursprünglich sollte das Verfahren nur dort angewendet werden, wo wenig Anliegerverkehr stattfindet, also in Parks oder auf Sportplätzen, denn mehr als fünf Anrufe könne das System in einer Nacht nicht verkraften. 

Die Initiative sieht eine Bedrohung der Sicherheit und die Schaffung von Angsträumen. Der Polizei zufolge soll das Abschalten der Laternen für die Sicherheitslage kontraproduktiv sein. Unterschriften hätten gezeigt, dass die Menschen Angst haben, so Jürgen Jentsch vom Seniorenbeirat. 

»Wissen wir, ob hier nicht soziale Bewegungsprofile erstellt werden?«, fragte er in den Raum. So viel stehe fest, die Anrufe werden registriert. Was mit den Daten weiter passiere, sei nicht bekannt. Das Projekt ist ein Vorschlag aus dem Bürgerhaushalt. Bei flächendeckender Abschaltung in Gütersloh sollen 50 000 Euro eingespart werden können. Der Versuch kostet etwa 18 000 Euro. Er läuft mit Unterbrechung seit Juni. Unmittelbar nachdem die Laternen abgeschaltet wurden, habe es in Spexard gleich zwei Einbrüche über die Dachflächen gegeben, sagte ein Anrainer. 

Viele junge Leute, Schichtarbeiter und Zeitungsboten, hieß es in der Versammlung, müssten durch die dunklen Straßen, teilweise ohne Bürgersteige. Ohne Handy oder Telefon würde es kein Licht geben, Besucher könnten nur über registrierte Anrainernummern Licht einschalten. Die Anwesenden forderten: »Schaltet das Licht wieder an!«. Drei Politiker waren anwesend: Ludger Klein-Ridder, Die Linke, informierte, dass das Projekt aus dem Bürgerhaushalt stamme. Ingrid Hollenhorst, CDU, verwies auf den Klimaschutz und sagte, dass in den nächsten drei Jahren 1500 Straßenlampen mit LEDÕs versehen würden. Florian Schulte-Fischedick erklärte, dass die FDP das Projekt nicht weiterführen wolle. Jürgen Jentsch versprach weitere Versammlungen.