Westfalen-Blatt "Berufsfeuerwehr soll umziehen"

22.11.2011

Fachbüro empfiehlt Neubau in Innenstadtnähe - freiwilliger Löschzug könnte bleiben

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). Die Berufsfeuerwehr sollte samt Leitstelle in einen Neubau an einen neuen Standort ziehen, die freiwillige Feuerwehr könnte in der sanierten und angepassten Feuer- und Rettungswache an der Friedrich- Ebert-Straße bleiben. So lautet der gut 25 Millionen Euro teure Vorschlag des Beratungsbüros Assmann aus Dortmund.

Stadtbrandmeister und Berufsfeuerwehr-Chef Joachim Koch wird wohl noch einige Jahre warten müssen, bis die Stadt 25 Millionen Euro übrig hat, um eine neue Feuer- und Rettungswache zu bauen. Es sei denn, es fände sich ein privater Investor. Foto: Wolfgang Wotke

Es liegt nicht nur an der von Stadtbrandmeister Joachim Koch stets monierten Fahrzeughalle aus dem Jahre 1936, die marode und viel zu klein ist. Auch Elektrotechnik und Absauganlagen sind der Untersuchung zufolge hinfällig. Gemessen am gesetzlich festgelegten Bedarf brauchen Berufs- und freiwillige Feuerwehr an der Friedrich-Ebert-Straße doppelt so viel Platz als sie heute haben. Die Berufsfeuerwehr bräuchte 5042, hat aber nur 2670 Quadratmeter. Die freiwillige Feuerwehr hätte Anspruch auf 1881, hat aber nur 940 Quadratmeter. Und die Kreisleitstelle kommt mit 270 Quadratmetern aus, bräuchte aber 599.

Doch all' diese Ansprüche sind an der Friedrich-Ebert-Straße nicht umsetzbar. Einer muss gehen - die freiwillige oder die Berufsfeuerwehr. Bei den Um- und Neubauvarianten, die Architektin Stefanie Insel vom Büro Assmann Beraten + Planen GmbH in ihrer Machbarkeitsstudie durchspielt, hat sie stets eine mögliche Alarmierung im Kopf: »Die Feuerwehr muss während der Bauarbeiten rund um die Uhr einsatzbereit bleiben. Wir können nicht mal eben übers Wochenende schließen.«

Die ständig erforderliche Dienstbereitschaft verteuert die Varianten. Am Ende aber ringt sich die Architektin zu einer Empfehlung durch: die Berufsfeuerwehr sollte eine neue Feuer- und Rettungswache in Innenstadt-Nähe bekommen, um ihre Schutzziele weiter einhalten zu können. Der freiwilligen Feuerwehr könne der ideale Standort an der Friedrich-Ebert-Straße auf ihre Bedürfnisse hin umgebaut werden.

Die für die Feuerwehren zuständige Umweltdezernentin Christine Lang kündigte an, bis zum Februar geeignete Grundstücke vorschlagen zu können. Dann könnten Ausschuss und Rat die Verwaltung mit Kaufverhandlungen beauftragen. Über den Zeitpunkt einer Investition vermochte Lang nichts zu sagen: »Eine Investition diesen Ausmaßes müsste mit allen anderen Investitionen in Kindertagesstätten, Schulen und so weiter abgestimmt werden.«

Florian Schulte-Fischedick (FDP) wies darauf hin, dass die Firma Assmann in Dinslaken eine Feuerwache in öffentlich-privater Partnerschaft hergestellt habe. Die im Februar fertig gestellte 19 Millionen Euro teure Feuer- und Rettungswache Dinslaken wurde von einem privaten Bauherrn finanziert und an die Stadt verpachtet. Grundstück und Gebäude blieben im Eigentum der Stadt. Wie Wirtschaftsförderer Rainer Venhaus schon vor der Sitzung mitgeteilt hat, gibt es bereits Interessenten für solch ein Projekt.