Westfalen-Blatt "Tönnies appelliert an die Stadt"

12.11.2010

Von Stephan Rechlin

Gütersloh-Avenwedde (WB). Clemens Tönnies setzt sich persönlich bei der Stadt Gütersloh für die beantragte Kapazitäts-Erweiterung in seinem Rinder-Schlachthof am Kanarienweg ein. Vergeblich. Der Planungsausschuss stimmt geschlossen gegen Tönnies, also für eine Veränderungssperre samt Bebauungsplan-Änderung.

 

In einem Telefonat hat der Chef des größten fleischverarbeitenden Konzerns Europas gestern gegenüber Stadtbaurat Josef E. Löhr bekräftigt, wie dringend Tönnies die Erweiterung der Schlachtkapazitäten brauche. Er teilte ferner mit, dass der Bau eines neuen Schlachthofes in Rheda-Wiedenbrück geplant sei. Sobald der fertig gestellt sei, könne der Gütersloher Schlachthof aufgegeben und abgerissen werden. Zum Zeithorizont dieser Investitionen äußerte sich Tönnies jedoch nicht, teilte der Stadtbaurat dem Ausschuss mit.

Sämtliche Fraktionen sahen in diesem Telefonat keinen Grund, vom Vorschlag der Stadt abzuweichen. Danach sind alle geplanten Bauvorhaben im Schlachthof durch eine Veränderungssperre zu blockieren; später sollen sie durch neue Auflagen im Bebauungsplan grundsätzlich vereitelt werden. Eine Hintertür ließ sich der Ausschuss jedoch offen: Sollte ein externer Berater feststellen, dass die Schadenersatzforderungen des Tönnies-Konzerns Aussicht auf Erfolg haben, könnte der Rat am 26. November möglicherweise anders entscheiden.

Die Vertreter aller Fraktionen sahen in diesem Vorgehen einen nahtlosen Anschluss an die Entscheidung vom Januar 2009, als eine Änderung des Bebauungsplanes zu Gunsten des Tönnies-Schlachthofes abgelehnt wurde. Norbert Bohlmann (UWG) wies den Vorwurf von Tönnies-Geschäftsführer Josef Tillmann, die Stadt offenbare in ihrem Verhalten einen schlechten Stil, entschieden zurück: »Im Gegenteil, die Stadt steht zu ihren einmal gefassten Beschlüssen. Sie zieht eine gerade Furche.« Norbert Morkes (BfGT) bezeichnete die von Clemens Tönnies geäußerten Investitions-Absichten als »leere Worthülsen«. Dr. Wolfgang Büscher (FDP) sah Gütersloh als reines Experimentierfeld des Tönnies-Konzerns: »Die Gewerbesteuer wird schon heute in Rheda-Wiedenbrück gezahlt und wenn der Neubau fertig ist, wandern auch die Arbeitsplätze nach dort ab.« Sollte Tönnies dagegen in Gütersloh neu bauen, entstünde eine neue Situation.