Westfalen-Blatt "Theater-Debatte reißt alte Gräben wieder auf''

18.02.2010

Dezernent Kimpel hat Mitleid für Simon Bethlehem

 

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Der Wortbeitrag von Ausschuss-Mitglied Simon Bethlehem (Grüne) ist kreativlos und von »Unsachkenntnis« geprägt. Diese Ansicht vertrat Kulturdezernent Andreas Kimpel im Kulturausschuss. Höflich, aber bestimmt lud er Bethlehem zur Nachhilfe in sein Büro ein: »Herr Bethlehem, Sie tun mir leid.«

 

Diese Replik des Kulturdezernenten war rhetorischer Tiefpunkt einer formal sachlich, aber unterschwellig aggressiv geführten Debatte zur Zukunft des neuen Theaters. Der Antrag von CDU, Grünen und UWG, Theater und Stadthalle mögen bis zum Jahr 2014 eine Million Euro sparen, riss alte Gräben zwischen Neubau-Gegnern und Befürwortern wieder auf. Sie wurde im kleinen Saal der Stadthalle durch Mitglieder des Theater-Fördervereins angeheizt, denen die Ausschuss-Vorsitzende Marita Fiekas (CDU) erlaubte, zu Wortbeiträgen zu applaudieren, die ihnen besonders gut gefielen.

Applaus wurde unter anderem Stadtbaurat Josef E. Löhr gespendet, der mit einer neuen Kostenaufstellung die Behauptung des Neubau-Gegners Norbert Morkes (BfGT) zurückwies, die Stadt teile bewusst falsche Zahlen mit (»Theaterlüge«). Applaus gab es auch für die Ankündigung von Kulturdezernenten Andreas Kimpel: »Wir öffnen das neue Theater am 13. März. Es wird auch höchste Zeit.« Hörbare Freude erregte ferner Irene Albers (SPD) mit ihrem Appell: »Als Werksausschuss haben wir die verdammte Pflicht, uns hinter das Theater zu stellen.« Und die Aufforderung zum Glaubensbekenntnis durch den Kulturdezernenten, der den versammelten Ausschuss die unausweichlichen Konsequenzen des Sparkurses vor Augen geführt hatte und am Ende sagte: »Jeder einzelne von Ihnen muss sich jetzt fragen: will ich all' das verantworten?«

Mürrisches Raunen galt dagegen Norbert Morkes, der sich nicht bei den Dezernenten entschuldigen mochte und Dr. Gerd Sonntag (FDP), der den neuen Zahlen des Stadtbaurates nicht bedingungslos glauben wollte: »Die Wahrheit dürften wir wohl erst nach Prüfung der Schlussrechnungen in einigen Jahren erfahren.« Auch der Beitrag Norbert Bohlmanns (UWG) kam nicht gut an: »Bei der Bauzeit-Kontrolle hat die Projekt-Steuerung offenbar versagt.«

Zu abwägenden Beiträgen wie jenen von Heiner Kollmeyer (CDU, »Wir streben beim Sparkurs eine Balance der Belastungen an«) oder Wilko Wiesner (CDU, »Mit mehr als drei Millionen Euro Zuschuss pro Jahr bleiben die Kulturräume ein gut ausgestattetes Unternehmen«) wurde geschwiegen. Schwierig wurde es mit Neubau-Gegnern, die mit pfiffigen Beiträgen die Ziele des Fördervereins unterstützen. So lehnte Norbert Morkes den Sparkurs ab: »Bürgermeisterin Maria Unger sieht die Strahlkraft des neuen Theaters bis München reichen. Mit diesem Sparkurs aber reicht sie nicht mal bis Wanne-Eickel.« Stirnrunzeln löste Matthias Trepper (SPD) aus: »Wo bleibt denn die Hilfe des Kreises? Bis auf den Kauf von ein paar Stühlen trägt Landrat Sven-Georg Adenauer doch nichts zum neuen Theater in Gütersloh bei.«