Westfalen-Blatt "Bürger erobern Theater"

15.03.2010

Gäste spenden stehenden Applaus für Zigeunerjungen

 

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). So wie die Kunden den kleinen Musikladen am Ende von Erik Gedeons Songdrama »Zigeunerjunge« stürmen, so fluten am Sonntag Güterslohs Bürger das neue Theater. Darunter auch viele Bürger, die das neue Theater eigentlich ablehnen.

 

Einer von ihnen ist Dr. Wolfgang Büscher, Fraktionschef der FDP. In der entscheidenen Ratssitzung im Mai 2008 stimmte er wie Norbert Morkes (BfGT) gegen den Neubau. Morkes lehnt ab, den Neubau auch nur zu betreten. »Ach, das hilft doch nun auch nicht weiter. Das Theater steht, es ist wirklich schön geworden. Jetzt müssen wir sehen, dass es aus gut ausgelastet wird«, sagt Büscher. Er hofft, dass all die feierlichen Versprechen des Festaktes später auch tatsächlich umgesetzt werden.

Das allererste Stück im neuen Theater war dazu schon einmal der richtige Schritt. Stehende Ovationen und vier Zugaben - der »Zigeunerjunge« traf den Nerv. Die Geschichte bot anschließend beim Sekt in der Sky-Lobby Stoff zum vergnüglichen Vergleich. Entspricht das gestresste Ehepaar Klingenbek nicht in dieser Rolle dem Gespann Unger/Kimpel und wem sah bloß dieser balkanische Musikalienhändler Razvan Sprk ähnlich? Mitreißende Musik, fantastische Akustik, leidenschaftliche Schauspieler - der Zigeunerjunge legt schon mal ganz schön vor.