Westfalen-Blatt "Theaterumfeld"

18.09.2010

»Pflastersteine bekommen Namen und eine Schleife«

Ausschuss kritisiert Verzögerungen am Theaterneubau

 

Gütersloh (rec). Die Bauarbeiter am Theater nehmen jeden Pflasterstein einzeln auf, geben ihm einen Namen, binden eine Schleife drum, setzen ihn ein und machen Feierabend. Diesen Eindruck hat Dr. Wolfgang Büscher (FDP) auf der Baustelle gewonnen.

 

Ein Eindruck, den Bauamtsleiter Josef E. Löhr im Planungsausschuss postwendend zurückwies: »Die enorm schweren Pflastersteine werden tatsächlich einzeln aufgenommen und im Mörtel verlegt. Das ist wie Mauern. Ein Knochenjob.« Die Verzögerungen am Theaterbau seien vor allem witterungsbedingt gewesen. Und deswegen fallen allein dadurch Mehrkosten von 58 000 Euro an.

Eine Auskunft, mit der sich der Ausschuss nicht abfand. Die Bürger seien »entsetzt« über die Dauer der Arbeiten, stellte Silva Schröder (CDU) fest, »einfach fassungslos« ergänzte Ingrid Schrader (SPD). Norbert Bohlmann (UWG) mochte die Mär von der Witterung nicht glauben: »Die Bauverzögerung hat jemand anderes zu verantworten, das Wetter auf alle Fälle nicht.« Manfred Reese (Linke) forderte, Regressansprüche gegenüber Unternehmen zu prüfen.

Mit »internen Umschichtungen« will die Verwaltung die insgesamt 120 000 Euro höheren Kosten bezahlen. »Wir borgen uns das Geld aus einer anderen Haushaltsstelle«, führte Tiefbauamtsleiter Alfons Buske aus. »Das heißt doch, dass wir es im kommenden Jahr neu aufbringen müssen, voraussichtlich über Kredit«, präzisierte Norbert Bohlmann. Alfons Buske stimmte zu. Und Silva Schröder forderte mehr Ehrlichkeit bei solchen Forderungen.