Westfalen-Blatt "Renovierungsstau hemmen Veräußerung städtischer Wohnungen"

11.05.2010

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Gut zehn Prozent der 620 städtischen Wohnungen stehen gegenwärtig leer. Die Stadt verliert dadurch Einnahmen in Höhe von 234 000 Euro im Jahr.

 

Gut vier Prozent dieser Wohnungen werden allerdings bewusst nicht vermietet, teils um sie renovieren, vor allem aber, um sie mittelfristig verkaufen zu können. Angebote dazu liegen dem Fachbereich Immobilienwirtschaft inzwischen vor. Doch schon vor der Ausschreibung muss Fachbereichsleiter Rainer Venhaus zunächst das Votum des Grundstücksausschusses einholen. Bevor er verkaufen darf, muss er dort ein weiteres Mal um Erlaubnis fragen. Diese verwaltungsbedingten Verzögerungen herausgerechnet, würde die Leerstandsquote bei sechs Prozent liegen und der Stadt 150 000 Euro pro Jahr kosten.

Den Angaben der Stadt zufolge stehen 44 Wohnungen länger als sechs Monate leer. Den Renovierungsstau beziffert die Stadt auf 1,3 Millionen Euro - sie legt dabei einen durchschnittlichen Renovierungsaufwand von 30 000 Euro je Wohnung zugrunde. Tatsächlich investieren darf sie pro Jahr 81 000 Euro. Das liegt deutlich unter der jährlichen Abschreibung von 141 500 Euro. »Die Stadt verliert also Jahr für Jahr ein Stück ihres Wohnungsvermögens«, stellt FDP-Ratsherr Hans Dieter Krause fest, der mit seinen Fragen eine Debatte über Sinn und Ausmaß der Daseinsvorsorge auf dem Gütersloher Wohnungsmarkt im Ausschuss anstieß.

Auf die Sorgen und Nöte der Bewohner städtischer Wohnungen weist Mieterin Frauke Kralemann in einem offenen Brief an Bürgermeisterin Maria Unger hin. Darin erinnert sie an die in der Europäischen Union, im Grundgesetz und in der Landesverfassung verankerten Menschenrechte. Die auf dem privaten Markt gezahlten Mieten könnten sich die mitunter an Sucht- und anderen Krankheiten leidenden Bewohner städtischer Wohnungen nicht leisten.

»Diesen Schutzraum will ihnen niemand nehmen«, versichert Hans Dieter Krause. Wie hoch der Anteil städtischer Wohnungen ist, die solcher Daseinsvorsorge dienen, vermag Rainer Venhaus nicht exakt zu sagen: »In guten Zeiten brauchen wir weniger, in schlechten Zeiten mehr sozialen Wohnraum.« Angesichts von Einnahmeausfälle und Renovierungsstau fragt Hans Dieter Krause, ob es die Stadt nicht günstiger kommt, die Daseinsvorsorge künftig über individuelle Mietzuschüsse zu finanzieren und die Wohnungen zu verkaufen.