Westfalen-Blatt "Sportgipfel"

30.10.2010

Drittes Diskussions-Treffen bringt keine Verbindlichkeit für die Gütersloher Sportvereine

Der Gipfel noch in weiter Ferne

 

Von Daniel Moßbrucker

Gütersloh (WB). Einem neuen »Pakt für den Sport« steht nichts mehr im Weg. Diesen Eindruck zumindest vermittelte die Gütersloher Politik am Donnerstagabend auf dem dritten Sportgipfel. Ob die Veranstaltungen außer Lippenbekenntnissen jedoch etwas für die Vereine gebracht haben, bleibt offen. 

Viele warme Worte, keine Verlässlichkeit: Dieses Resümee mussten die rund 70 Klubvertreter für den Abend in der Stadthalle ziehen. Auch Stadtverbandsvorsitzender Rudolf Bolte räumte in seiner Schlussrede ein: »Mit dem Thema werden wir uns noch einige Zeit beschäftigen müssen. Auf den Vorstand wartet jetzt viel Arbeit.« In der Tat haben die drei Beratungsrunden nicht zum erhofften »Gipfelsturm« geführt. Vielmehr haben die Vereine nun das Gepäck zusammengepackt, um mit der Politik zusammen den Berg zu besteigen. Mit dem »Packzettel« nämlich zeigten sich die Ratsherren einverstanden.

»Da können wir erstmal nicht widersprechen«, sagte etwa SPD-Fraktionschef Thomas Ostermann mit Blick auf die Präsentation, in denen der SSV die Ergebnisse der Beratungen mit den Vereinen vorgestellt hatte (siehe Kasten). Alle Parteivertreter hoben die herausragende Bedeutung des Sports hervor. In der Podiumsdiskussion mahnte Wolfgang Büscher jedoch: »Das sind bisher alles leere Worthülsen. Jetzt müssen wir ans Kleingedruckte.« Der FDP-Mann spielt damit auf die sehr allgemein gehaltenen Ergebnisse der Beratungen an. Dazu passend: Gerade bei den etwas präziseren Ausführungen regte sich Widerstand.

Dies betrifft besonders die Forderung nach einer kostenlosen Nutzung aller Sportstätten. »Ehrlichkeit ist in der Politik wichtig. Und zur Wahrheit gehört eben, dass wir uns eine kostenfreie Nutzung auf Dauer nicht werden leisten können«, erklärte Marco Manovanelli (Grüne). Ostermann fügte hinzu: »Diesen Punkt sehen wir ebenfalls kritisch. Wir dürfen nicht alle über einen Kamm scheren.« Möglich sei etwa, dass sich der Profisport stärker an den Kosten beteiligt als der Breitensport. Wann professioneller Sport anfängt, vermochte keiner der Politiker zu sagen.

»Wir brauchen Unterstützung und keine goldenen Reden. Es gibt in Gütersloh keinen Profisport. Wir sollten stattdessen eine Sportstiftung ins Leben rufen. Wenn wir uns 6000 Abos fürs Theater, das auch bei den Sportlern zum Reizwort geworden ist, leisten können, sollte das auch drin sein«, forderte Rolf Theiß von der Faltbootgilde mit Fingerzeig auf das »große, weiße und teure Gebäude«. In diese Richtung denkt auch die CDU. Die Union möchte eine von der Wirtschaft getragene »Allianz für den Sport« ins Leben rufen. Fraktionsvorsitzender Heiner Kollmeyer weiß aber: »Dies ist aber nicht Sache der Politik, sondern der Wirtschaft.« Begrüßt wurde ebenfalls der Vorschlag, die Sportvereine mit Wohlfahrtsverbänden gleichzustellen. Schließlich förderten beide das Gemeinwohl. Der Haken: Auf kommunaler Ebene wird das Vorhaben kaum zu realisieren sein.

Auf den Punkt brachte es schließlich BfGT-Chef Nobby Morkes: »Lippenbekenntnisse helfen nicht. Wir müssen diese Forderungen ernst nehmen und sie im Sportausschuss auch einbringen.« Wie das gelingen kann, wollen Bolte & Co. nun ausarbeiten. Noch in diesem Jahr will er mit der Politik verhandeln, im Frühjahr soll ein neuer Pakt mit dem Sport stehen. Wenn er denn kommt...