Neue Westfälische "Reaktionen auf Gewerbeflächenkonzept"

27.08.2010

Zwischen Druck und Sorgfalt

VON RAINER HOLZKAMP

 

Gütersloh. Bei der Abstimmung über das von der Bezirksregierung geforderte Gewerbeflächenkonzept läuft es momentan auf ein Patt im Planungsausschuss hinaus. Die Befürworter des Verwaltungsvorschlags (CDU, FDP UWG) kämen nach derzeitigem Stand ebenso auf acht Stimmen wie die Kritiker (SPD, Grüne, BfGT und Linke). Das letzte Wort hat ohnehin der Rat, wo es bei dieser Konstellation 29:29 stehen würde. Allerdings würde dann die zusätzliche Stimme der Bürgermeisterin den Ausschlag geben.

 

Freilich hofft zumindest CDU-Stadtverbandschef Raphael Tigges doch noch auf eine gemeinsame Linie der Plattform. „Was anderes kommt für mich derzeit nicht in Frage.“ Jedoch müssten dazu die Grünen ihren Widerstand aufgeben.

 

Die SPD wird aber nach den Worten ihres Planungsexperten Thomas Krümpelmann versuchen, die Grünen wie auch BfGT und die Linke für eine Kombi-Lösung zu gewinnen. Danach sollen die von Detmold angemahnten zusätzlichen 70 Hektar Potenzialfläche über zwei verschiedene Wege nachgewiesen werden.

 

Zum einen mit dem Einstieg ins kurz vor der Realisierung stehende interkommunale Gewerbegebiet in Halle (21 Hektar). Zum anderen mit 50 Hektar am Flughafen, davon wiederum 30 Hektar südlich der Marienfelder Straße (B 513), die überwiegend im Besitz des verkaufsbereiten Bundes sind. Die übrigen 20 Hektar ließen mittelfristig nördlich der B 513 aktivieren, sagte Krümpelmann. Ihm schwebe dort nur ein schmaler Streifen vor. „Den Sprung über den Schlangenbach, wie von der Verwaltung geplant, sollten wir im Sinne des Naturschutzes nicht machen.“

 

Für die FDP kommt ein Einstieg in Halle hingegen nicht in Frage. „Das bringt uns nichts“, sagte Fraktionschef Wolfgang Büscher, der mit Genugtuung zur Kenntnis nahm, dass sich die Verwaltung mit der Fläche nördlich der B 513 eine „Uralt-Forderung der FDP“ endlich zu eigen gemacht habe. Es dürfe jetzt zu keine weiteren Verzögerungen kommen. „In Gütersloh brauchen wir den Zeitdruck, um zu Ergebnissen zu kommen.“

 

Das sieht die BfGT anders. Sie erteilte dem vorgelegten Konzept eine deutliche Absage“. Eine Entscheidung von dieser Tragweite könne nicht innerhalb weniger Tage, und schon gar nicht unter Druck getroffen werden, spielte Fraktionschef Morkes auf die Forderungen der Bezirksregierung an, die ihre Genehmigung für das Porta-Möbelhaus von dem Gewerbeflächenkonzept abhängig macht. „Wir müssen sorgfältig abwägen“, so Morkes. Zunächst gelte es, überhaupt den Flächenbedarf der Wirtschaft zu ermitteln.

 

Überdies hält die BfGT Areale im westlichen Teil des Flughafengeländes (Richtung Brocker Mühle) sowie gegenüber dem Flughafen und dann in Richtung Harsewinkel für geeigneter. Für beide Standorte spreche die bessere Verkehrsanbindung ans Linteler Kreuz. Ferner könnte damit ein interkommunales Gewerbegebiet mit Harsewinkel auf den Weg gebracht werden. Unter allen Umständen müsse auch eine Reaktivierung des Flughafens verhindert werden.