Westfalen-Blatt "Bielefeld will sich am Haller Gewerbegebiet beteiligen"

25.09.2010

Von Michael Delker

Gütersloh (WB). Die Hochzeit schien besiegelt zu sein. Nach zähem Ringen hatte der Planungsausschuss sein Ja-Wort zur Entwicklung eines interkommunalen Gewerbegebietes mit Halle gegeben. Dem Bräutigam aus Gütersloh droht jetzt jedoch Ungemach - ein Nebenbuhler ist aufgetaucht.

Überraschend emotionslos nahm der Rat am Freitagabend die Nachricht zu Kenntnis, dass die Stadt Bielefeld ebenfalls ein Auge auf die 21 Hektar Gewerbefläche in Halle geworfen hat. Der Aufsichtsrat der Bielefelder Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft WEGE ist mit dem Thema befasst, und am Montag sollen sich die drei Bürgermeister - beteiligt ist auch die Stadt Werther - zu Detailgesprächen treffen. Sollten Bielefeld und Halle miteinander anbandeln, droht Gütersloh eine missliche Situation. Dann bricht ein wesentlicher Eckpfeiler des Gewerbeflächenkonzeptes weg, das erst am Freitagabend mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Und die Stadt gerät unter Zugzwang. Am 13. Dezember will sich der Regionalrat abschließend mit dem Gewerbeflächenkonzept beschäftigen und damit auch eine Entscheidung zur Ansiedlung eines Porta-Marktes treffen. Weil auf dem Pfleiderer-Areal 20 Hektar Gewerbefläche wegfallen, muss Gütersloh kurzfristig an anderer Stelle eine Ersatzfläche ausweisen - nach dem Willen der Politiker in Halle-Künsebeck. 

Dass Bielefeld die Braut umgarnt, schien im Rat nur Dr. Wolfgang Büscher (FDP) zu irritieren. Obwohl sich der Liberale gegen ein interkommunales Gewerbegebiet ausspricht, äußerte er die Sorge, dass Gütersloh künftig in den Gesprächen mit Halle als Bittsteller auftreten muss. »Wir sind plötzlich ein Mitbewerber und der Schluss lieht nahe, dass die Konditionen neu verhandelt werden müssen«, meinte Büscher. Für die Stadt Bielefeld mache die Beteiligung an dem Haller Gewerbegebiet aus einem weiteren Grund Sinn: »Weil er Kaufkraft aus Brackwede abziehen würde, möchten sie doch den Porta-Markt in Gütersloh verhindern.«

Die Gefahr, dass die Braut im letzten Moment einen Rückzieher macht, sieht Bürgermeisterin Maria Unger nicht. Nach eigenem Bekunden hat sie am Freitagmorgen sofort ihre Haller Amtskollegin Anne Rodenbrock-Wesselmann angerufen. Diese habe die Gespräche mit Bielefeld zwar bestätigt, doch auch klar zum Ausdruck gebracht, »dass Gütersloh der Haller Partner ist.« 

Gar nicht erst gestellt wurde im Rat die Frage, was passiert, wenn die Hochzeit trotz aller Beteuerungen doch noch platzt.