Neue Westfälische "Trauer um Herbert Strothmann"

01.08.2009

Herbert Strothmann am Freitag gestorben. 

Ein aufrechter und mutiger Mensch, ein verdienter Unternehmer und Kommunalpolitiker, der hohes Ansehen genoss.

 

VON LUDGER OSTERKAMP

 

Gütersloh. Seiner Tatkraft war der Aufbau einer der größten Privatmolkereien Deutschlands zu verdanken: Herbert Strothmann konnte auf ein erfolgreiches Leben als Unternehmer und Kommunalpolitiker zurückblicken. Gestern starb er im Alter von 92 Jahren.

 

Strothmann war bekannt für seine Aufrichtigkeit und sein unternehmerisches Gespür. Die Milchbauern, die seine Molkerei belieferten, mussten keine Verträge mit ihm abschließen; es galt das gesprochene Wort. Umgekehrt konnten sich die Lieferanten ebenso wie die Mitarbeiter darauf verlassen, dass Strothmann eine gute Hand beim Führen des Unternehmens bewies und einen Riecher für neue Absatzmärkte hatte.

 

Als es noch in jedem größeren Ort Molkereien gab, erkannte Herbert Strothmann als einer der ersten, dass Spezialisierung wichtig ist. Er stellte das Unternehmen auf die Herstellung von Joghurt und Desserts um – und hatte Erfolg damit. Während allerorten Molkereien aufgaben, blühte die Gütersloher auf.

 

Dabei hatte er ursprünglich ganz andere Pläne gehabt. Er wollte Journalist werden, volontierte in der Redaktion der Westfälischen Zeitung in Bielefeld. Doch nach dem Soldatentod seines Bruders Paul, der die elterliche Molkerei übernehmen sollte, sprang er in die Bresche, erlernte das Molkereifach und trug fortan die Verantwortung.

 

Strothmann traf weitreichende Entscheidungen; nicht nur trieb er die Spezialisierung voran, er verlagerte den Betrieb von der Brockhäger an die Hans-Böckler-Straße.

 

Nachdem er sich aus dem Tagesgeschäft zurückzog, übernahmen seine Söhne Klaus-Herbert und Ralph die Verantwortung, bis 2003 Campina einstieg. Noch bis ins Frühjahr 2009 hinein ging er jeden Morgen wachen Auges durch den Betrieb und sah nach dem Rechten.

 

Große Verdienste hat er sich auch als Kommunalpolitiker erworben. Fast 25 Jahre saß er für die FDP-Fraktion im Rat seiner Vaterstadt Gütersloh, fast 20 Jahre diente er ihr als zweiter stellvertretender Bürgermeister. Als er 1994 aus dem Kommunalparlament ausschied, verlieh ihm die Stadt dankbar den Ehrentitel „Stadtältester“.

 

Beigesetzt wird Herbert Strothmann am kommenden Freitag. Zuvor findet die Trauerfeier in der Kirche St. Pankratius statt.