Westfalen-Blatt "Sporthallengebühr"

14.02.2009

»Wir haben schlagkräftige Argumente«

Hallenbenutzungsgebühr: Beschluss des GT-Stadtsportverbandes einstimmig angenommen

Von Uwe Caspar

 

Gütersloh (WB). Für Rudolf Bolte, dem ersten Vorsitzenden des Gütersloher Stadtsportverbandes, ist das Wort Hallennutzungsgebühr »ein Unwort«, das schleunigst verschwinden müsse. Dazu soll ein Beschluss beitragen, den die zahlreich erschienenen Vereinsvertreter in einer außerordentlichen SSV-Versammlung am Freitagabend einstimmig absegneten.

Demnach spricht sich der SSV gegen die von der Unternehmensberatung Rödl & Partner vorgeschlagene Sporthallengebühr, die das Säckel der Stadt um rund 254 000 Euro entlasten würde, klar aus: Die kostenlose Nutzung der Sportstätten - die jetzige Ausnutzung beträgt 95,8 Prozent - für alle im SSV organisierten Sportvereine muss erhalten bleiben. Auch dürfen die Zuschüsse für die GT-Schwimmvereine nicht verändert werden. Im Gegenzug erklären sich die Vereine bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten über die bisherigen Vereinbarungen hinaus weitere Verantwortung für Sportanlagen und ihre Pflege zu übernehmen, um so zur Kostenentlastung beizutragen.

»Wenn wir uns als kooperativer Partner präsentieren, sind unsere Chancen besser. Allerdings kann ein gewisses Einsparpotenzial nur durch Eigenarbeit und nicht durch Geld erbracht werden«, gab Jörg Balk, zweiter SSV-Vorsitzender und zugleich Klubchef des Gütersloher TV, zu bedenken. Käme die heftigst umstrittene Gebühr durch, müsste sich der GTV auf zusätzliche Kosten von rund 60 000 Euro (bei fünf Euro Benutzungsgebühr pro Stunde) einstellen, was unweigerlich zu Erhöhung der Mitgliederbeiträge führte. In dem Fall befürchtet Balk eine Austrittswelle von bis zu 50 Prozent der jetzigen Mitgliederbestandes. »Und den anderen Vereinen könnte es so ähnlich ergehen.«

Die vorgeschlagene Hallenbenutzungsgebühr (abgestimmt wird darüber bei der Haushaltsverabschiedung 2009 am 27. Februar) findet auch Rudolf Bolte unzumutbar. »Das würde unsere Sportlandschaft verändern und erhebliche Folgen für die gesamte Gesellschaft haben. Wenn man ein Loch gräbt, muss man zusehen, wo der Sand bleibt. Und der entstandene Sandberg könnte größere Probleme als das Loch bereiten«, drückte Bolte seine Sorgen mit einem »sandigen« Vergleich aus. 

Auch Christian Randerath (DJK Gütersloh) begrüßte es, dass am Freitag noch einmal die drohenden Konsequenzen vom SSV und von den Vereinsrepräsentanten deutlich aufgezeigt wurden. Die DJK beispielsweise kooperiert neuerdings mit der »Suppenküche«, deren jugendliche Benutzer bei der DJK unentgeltlich Sport betreiben dürfen. »Wenn das Geld an allen Ecken und Enden fehlt, müssten wir sie wieder zurückschicken«, sorgt sich Randerath genauso wie Gregor Wittenbrink von der DLRG: »Wenn wir runterfahren müssen, werden die Leute fragen: Wo ist die DLRG? Kann die uns nicht mehr helfen?« Und Rolf Theiß von der Faltbootgilde merkte süffisant an: »Sie streicheln uns zwar über das Haar, aber nehmen uns hinten das Geld wieder raus.«

Auch einige Politiker sowie Bürgermeisterin Maria Unger hatten sich im voll besetzten SSV-Versammlungsort des Spexarder Bauernhauses eingefunden. »Die Sportvereine sind die besten und billigsten Sozialarbeiter, die man sich vorstellen kann«, wies Wolfgang Büscher (FDP) auf den gesellschaftlichen Aspekt hin. »Wir sind hier, um bei dieser Diskussion zuzuhören und aufzunehmen. Wir werden sorgsam abwägen, was zuzumuten und nicht zuzumuten ist. Ich jedenfalls habe großes Vertrauen zu meinen Kollegen und dem Rat der Stadt«, machte Maria Unger mit dieser Aussage Hoffnung. Auch Rudolf Bolte gibt sich zuversichtlich, dass sich die Benutzungsgebühr nicht durchsetzen wird: »Denn wir haben schlagkräftige Argumente.«