Neue Westfälische "Sporthallengebühren"

14.02.2009

Protest auf Erfolgskurs Gütersloher Politik zeigt offenes Ohr für die Ablehnung von Hallengebühren 

VON WOLFGANG TEMME

 

Gütersloh. Die Einführung einer Sporthallen-Benutzungsgebühr für Gütersloher Sportvereine ist nicht vom Tisch, aber sie ist äußerst unwahrscheinlich. Zwar vermied die Politik gestern Abend weitgehend öffentliche Festlegungen, doch allein ihre geballte Anwesenheit bei der „Protestversammlung“ des Stadtsportverbandes bedeutet einen Trend.

 

In einem demonstrativen Beschluss formulierte die Dachorganisation von 96 Vereinen einstimmig ihren Widerstand gegen den Vorschlag der Beratungsagentur Rödl & Partner, aber auch die Bereitschaft zur Kooperation mit der zur Haushaltskonsolidierung gezwungenen Stadt (siehe Kasten). Vorausgegangen war eine kurze, von sachlichen Wortmeldungen geprägte und kontroversfreie Diskussion.

 

43 Vereinsvertreter nahmen an dem Treffen im Spexarder Bauernhaus teil. Gekommen waren in großer Zahl auch Ratsmitglieder aller Fraktionen und Kommunalpolitiker mit Bürgermeisterin Maria Unger (SPD) und CDU-Fraktions-Chef Ralph Brinkhaus an der Spitze. „Die Politik nimmt unsere Sorgen ernst“, wusste SSV-Vize Jörg Balk aber auch schon aus diversen Vorgesprächen in den letzten Tagen.

 

Am 27. Februar muss der Rat über den Vorschlag von Rödl & Partner entscheiden, den Sportvereinen künftig fünf Euro pro Hallenstunde abzuverlangen, woraus für die Stadt eine Mehreinnahme von rund 250.000 Euro resultieren soll. Außerdem soll der Zuschuss an an die Schwimmsport treibenden Vereine um 17.500 Euro pro Jahr reduziert werden. Eindrucksvoll listete der SSV-Vorsitzende Rudolf Bolte auf, zu welchen Mehrkosten das für die Vereine führen würde. Der GTV etwa würde mit 60.000 Euro zur Kasse gebeten, die DJK mit 20.600 Euro, der Post SV mit 5.000 Euro und der TV Isselhorst mit 15.600 Euro. „Das können die Vereine nicht erbringen“, verdeutlichte Bolte, dass unweigerlich eine Spirale von Beitragserhöhungen, Austritten und Angebotsstreichungen in Gang gesetzt würde. Abgesehen von finanzieller Skepsis (,,Nicht mal die Hälfte der 250.000 Euro würde erwirtschaftet“) verdeutlichte Bolte auch die Konsequenz in den Feldern Gesundheits- und Sozialpolitik.

 

„Für uns sind die Sportvereine die besten und preiswertesten Sozialarbeiter“, begründete anschließend Wolfgang Büscher das klare Nein der FDP zu den Hallengebühren. Die großen Parteien hielten sich zum Verdruss mancher Teilnehmer bedeckt. „Wir sind gekommen, um zuzuhören und nehmen ihre Argumente mit in die Beratungen über das Gesamtpaket“, warb Maria Unger um Verständnis für die Zurückhaltung.