Westfalen-Blatt "Krankenhäuser"

20.03.2009

Gütersloher Kliniken unter gemeinsames Dach

Nach 30 Jahren vergeblicher Mühe ist eine Kooperation in greifbare Nähe gerückt

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). Noch in der jüngsten Sitzung des Gütersloher Klinikausschusses ist der Zusammenschluss mit dem katholischen Elisabeth-Hospital kategorisch ausgeschlossen worden. Jetzt steht er kurz bevor.

 

Es wäre ein Durchbruch epochalen Ausmaßes. Mehr als 30 Jahre lang wurde in Gütersloh versucht, die beiden hier ansässigen Krankenhäuser enger mitein-ander zu verschmelzen. Was auf medizinischer Ebene längst seit Jahren funktioniert, stieß unter Stadtdirektoren, Dezernenten, Bischöfen und Pfarrern bislang auf kommunale oder katholische Ideologiegrenzen. Unermüdlich bohrte einzig die Gütersloher FDP weiter an diesem Thema. Dafür wurden deren Vertreter strikt bei den seit November vergangenen Jahres geführten Gespräche außen vor gelassen. Einen Hinweis auf die Annäherung der beiden Kliniken bot einzig der grüne Fraktionschef Hans-Peter Rosenthal in seiner Haushaltsrede. Erstmals seit Jahren war darin wieder von einer anderen Fraktion als der FDP zu hören, dass nach dem Scheitern aller anderen Kooperationsbemühungen nun nur noch der gemeinsame Weg mit dem Elisabeth-Hospital bleibe. 

Güterslohs Krankenhausdezernentin Christine Lang und Hospital-Geschäftsführer Dr. Stephan Pantenburg sind offenbar so weit vorangekommen, dass sie nun Gremien und Mitarbeiter informieren wollen. 

Dem Vernehmen nach sollen beide Kliniken unter das Dach einer gemeinsamen Holding kommen, ansonsten aber weiterhin eigenständig geführt werden. Dr. Stephan Pantenburg ist als Geschäftsführer dieser Holding im Gespräch; allerdings sollen die einzelnen Krankenhäuser ebenfalls Geschäftsführer bekommen.

Öffentlich Stellung beziehen wollen die beiden Verhandlungsführer erst in der kommenden Woche. Die in den vergangenen 30 Jahren immer mal wieder geführten Gespräche waren unter anderem an der Frage gescheitert, ob in einem katholisch mitgeführten Krankenhaus Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden dürfen. Darüber hinaus war strittig, ob der öffentliche oder der kirchliche Tarifvertrag zu Grunde zu legen ist. Schließlich ging es auch um die Frage, ob Auftragsvergaben im Zusammenhang mit der »richtigen« Konfession des Auftragnehmers stehen müssen.