Westfalen-Blatt "Gütersloher Klinik-Zukunft"

21.03.2009

Die mögliche Zusammenarbeit zwischen dem Städtischen Klinikum und dem Elisabeth-Hospital in einer gemeinsamen Holding ist eine ausgesprochen gute Nachricht für Gütersloh. Noch sind viele Details zu klären, die in den vergangenen 30 Jahren solch eine Kooperation vereitelt haben. 

Doch erscheinen Streitpunkte wie die denkbar geringe Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen, unterschiedliche Tarifgrundlagen oder der Modus von Auftragsvergaben marginal gegenüber den großen Problemen, unter denen beide Kliniken zu leiden haben: Ärztemangel, Unterfinanzierung und immer spärlichere Unterstützung durch das Land. Probleme, die durch Konkurrenzdenken und Prozessfreude der beiden Kliniken noch verschärft wurden.

Einzig den FDP-Vertretern im Klinik-Ausschuss mochte nicht in den Kopf gehen, warum eine auf medizinischer Ebene längst funktionierende Kooperation nicht auch auf der Verwaltungs- und Führungsebene möglich sein sollte. Während Klinikum und Hospital etwa das inzwischen zum zweiten Mal zertifizierte, kooperative Brustzentrum auf den Weg brachten, wurden Kritiker der bisher verordneten Linie als Illusionisten, Schwätzer oder notorische Querulanten abgestempelt.

Die vermeintlichen Querulanten erhielten vom Oberverwaltungsgericht Münster eine weitere Bestätigung ihrer Skepsis. In Gütersloh werden HNO-Betten genehmigt, in Rheda-Wiedenbrück aber nicht - hinter dieser Entscheidung vermochte das Gericht keinen Sinn, keine Kriterien, keine Abwägung zu entdecken. 

Dieses Urteil kann auf die seit dem Jahr 2000 verfolgte Klinik-Politik von CDU und SPD übertragen werden. Kein Sinn, keine Kriterien, keine Abwägung - und doch stimmten die Mehrheitsfraktionen allem zu, was ihnen vorgelegt wurde. Schon bald müssen sie keine Kritik mehr fürchten. In der von ihnen gebildeten »kleinen Klinik-Kommission« bleiben sie fortan unter sich.