Westfalen-Blatt ''Busse in der Innenstadt''

02.10.2009

Innenstadt wird zum Abenteuerland

Zwischen Bussen und Fahrrädern müssen Passanten in Gütersloh schnell reagieren

Von Stephan Rechlin

 

Gütersloh (WB). Ab in die Mitte. Die Gütersloher Großraum- und Gelenkbusse sind schon längst drin in der Gütersloher Innenstadt. Sie stoppen und starten direkt am Berliner Platz, auch ohne Landesförderprogramm. Die Passanten sind Gestank, Geräusch und Gefährdung leid. Doch von Politik und Verwaltung ist keine schnelle Lösung zu erwarten.

 

Vielleicht war es die Erfahrung am eigenen Wahlkampfstand nahe der Haltestelle, die den CDU-Bürgermeisterkandidaten und künftigen Fraktionsvorsitzenden Heiner Kollmeyer im August dazu bewog, das Ende des Busverkehrs in der Fußgängerzone zu fordern. 138 mal am Tag passieren die Linien 204, 205 und 206 von Montag bis Freitag die Berliner Straße - vorbei an Kleiderständern und Werbeträgern. Vorbei an Stühlen und Tischen, an denen die Gäste von Eisdielen und Straßencafés gerade eine Pause einlegen.

 

Die monatelang gestellten und nie beantworteten Fragen Dr. Wolfgang Büschers (FDP) nach den Chancen eines kleines, wendigen City-Busses sind vergessen - erst jetzt wird der Busverkehr zum großen Thema im Planungsausschuss. Die Linken greifen die Idee vom City-Bus auf und fordern eine Shuttlebuslinie für die Innenstadt. Die großen Busse sollen nur noch die Stadtbibliothek und den Zentralen Omnibus Bahnhof (ZOB) ansteuern, so wie zum Weihnachtsfest. Auf feste Haltestellen könne in der Stadt verzichtet werden. Wer mitfahren möchte, hebt nach Vorstellung der Linken einfach die Hand, wenn der kleine Shuttle-Bus vorbeikommt.

Die BfGT fordern die Stadtwerke Gütersloh (SWG) auf, einen alternativen Fahrplan aufzustellen, der auf Stadtbusse in der Innenstadt verzichtet. Die Einführung eines »geeigneten kleineren Transportmittels« für die City schließt die Fraktion nicht aus. Auf jeden Fall sind alle Vorschläge mit Vertretern des Einzelhandels, des Seniorenbeirates und in einer großen Bürgerversammlung zu erörtern.

Ohne eigenen Antrag schlägt Heiner Kollmeyer vor, nur noch die nahe an der Innenstadt liegenden Haltestellen anzufahren, aber nicht mehr in die Fußgängerzone einzudringen. SPD-Verkehrsexperte Dr. Thomas Krümpelmann möchte das Thema gemeinsam mit dem Wunsch nach kostenlosem Busfahren diskutieren in eine große, umfassende Untersuchung einbinden lassen. Im Wahlkampf hat sich der Gütersloher Einzelhandelsverband dem Wunsch nach der Verbannung großer Busse aus der Fußgängerzone angeschlossen. Die Haltestellen rund um die City gewährleisteten eine schnelle Erreichbarkeit. »Außerdem sind die Busse sowieso meistens leer«, stellte Einzelhandelsverbands-Chef Rainer Schorcht fest.

Die Passanten wiederum stören nicht nur die Busse. Sie halten den uneingeschränkten Radverkehr für weitaus gefährlicher. Busspur und Radschnellweg machten den Besuch der Gütersloher Innenstadt zu einem echten Abenteuer.

Der kombinierte Bus- und Radverkehr wird nicht nur in Gütersloh diskutiert. Auch in vergleichbaren ostwestfälischen Mittelstädten wie Paderborn, Herford, Minden, Detmold und Höxter ist das ein Thema (siehe unten). Doch nirgends wird das Problem so umfassend und komplex angegangen wie in Gütersloh. Hier werden jetzt erst einmal mit allen Beteiligten bis Mitte November Gespräche geführt, anschließend wird zu einem Workshop eingeladen. Ja und dann ist auch schon wieder Weihnachten.