Westfalen-Blatt "FDP gegen GAZIT"

06.11.2008

CDU und SPD stehen zum Gazit-Projekt »Ablehnung der Stadt nicht Ende der Debatte« - IHK und FDP dagegen - Gespräch mit Finke

 

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Die beiden großen Ratsfraktionen halten gegen die Empfehlung der Stadt am Einkaufscenter auf dem Wellerdiek-Areal fest. Investor Gazit sieht weiterhin gute Realisierungschancen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die FDP lehnen das Projekt ab. 

 

In seiner Stellungnahme an den Planungsausschuss räumt Stadtbaurat Josef E. Löhr dem Lückenschluss am Kolbeplatz eine höhere Priorität ein als dem Neubau eines Einkaufscenters (das WB berichtete gestern exklusiv). CDU-Bürgermeisterkandidat und Planungsexperte Heiner Kollmeyer stimmt der hohen Bedeutung des Lückenschlusses zu, sieht darin aber keinen Grund, das Gazit-Projekt abzulehnen: »Die Stellungnahme des Stadtbaurates fällt hinter den bisher erreichten Diskussionsstand zurück.« 

Auf seine Vermittlung hin würden Vertreter von Gazit und der Familie Finke derzeit die Chancen und Synergien eines gemeinsamen Projektes ausleuchten. In einigen kritischen Sortimenten wie etwa Textil werde Gazit auf Verkaufsfläche verzichten müssen: »Damit wird der Investor leben können.« Die Chancen, dass sich beide Investoren auf eine betriebswirtschaftlich und innenstadtverträgliche Größe eines neuen Einkaufscenters verständigen könnten, bezeichnet Kollmeyer als hoch.

SPD-Planungsexperte Dr. Thomas Krümpelmann will sich durch die Stellungnahme der Stadt ebenfalls nicht festlegen lassen: »Das ist ein Zwischenschritt. Für uns bleibt der Prozess offen.« Umgerechnet in Verkaufsfläche würde das Gazit-Projekt den Gütersloher Einzelhändlern nicht mehr als 8000 Quadratmeter kosten - rund 4000 in der Innenstadt und noch mal soviel in den Stadtteilen: »Bei einer Gesamtverkaufsfläche von 200 000 Quadratmetern ist das verkraftbar. Zumal einige Filialisten ja in das neue Center ziehen würden.« Auch Krümpelmann hält einen betriebswirtschaftlich vertretbaren Verzicht um 1000 bis 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche im neuen Center für machbar.

Gazit-Sprecher Laurenz Stief bestätigt »konstruktive Gespräche« mit der Familie Finke, die jedoch noch lange nicht spruchreif seien. Die von Gazit genannten 17 000 Quadratmeter seien eine Mindestgröße, unter der ein solches Projekt nicht mehr rentabel sei: »Das gilt für jeden, der in Gütersloh in ein Einkaufscenter investieren will.« Die Stellungnahme der Stadt werte er nicht als das Ende des Projektes.

Erstmals meldet sich die IHK zu Wort. In ihrem Monats-Magazin »Ostwestfälische Wirtschaft« lehnt sie das Projekt ab. Nicht die Größe sei das Problem, sondern der Standort: »So soll ein Einkaufszentrum in 1A-Lagen angesiedelt sein oder zumindest an sie angrenzen. Dies ist in Gütersloh nicht der Fall.« Ein Nachteil, der durch eine bessere Anbindung an den Kolbeplatz und die Berliner Straße auszugleichen sei.

Ein klares »Nein« zum Gazit-Projekt kommt von der Gütersloher FDP. Die von den Gutachtern aufgeführten Voraussetzungen seien illusorisch, der notwendige Schutz benachbarter Mittelzentren werde missachtet. Die FDP unterstützt statt dessen eine Mischung aus Wohnen, Dienstleistung und Einzelhandel auf dem Wellerdiek-Areal.