Neue Westfälische "Theaterneubau"

26.04.2008

Nur zwei Gegenstimmen für das Theater im Rat

VON STEFAN BRAMS

 

Gütersloh. Es war eine der besseren Ratssitzungen gestern Abend. Denn es wurde deutlich, viele Ratsmitglieder haben ernsthaft mit sich und den Argumenten für und wider eines neuen Theaters für Gütersloh gerungen – und sich dann mit großer Mehrheit entschieden, es zu bauen – für 21,75 Millionen Euro. Lediglich die FDP, vertreten nur durch Wolfgang Büscher, und Norbert Morkes (BfGT) votierten gegen den Neubau. Selbst Morkes Fraktionskollegin Barbara Witt stimmte für das Theater und kündigte ihren Abschied aus dem Rat an.

 

Witts Rückzug war denn auch die eigentliche Überraschung des Abends, denn an der Zustimmung für den Baubeschluss hatte es nach der entscheidenden Kulturausschuss-Sitzung am 17. April keinen Zweifel mehr gegeben. Während CDU, SPD, Grüne und UWG geschlossen für das Theater votierten, spaltete die Theaterfrage erneut die BfGT. Zur Erinnerung: Bereits im Jahr 2006 waren zwei BfGT-Mitglieder ausgestiegen, weil sie Morkes rigiden Anti-Theater-Kurs nicht mehr mitmachen wollten. Sie behielten ihre Mandate, traten in die CDU-Fraktion über und verhalfen damit schwarz-grün zu einer Ratsmehrheit. Witt, immer schon als Theaterbefürworterin bekannt, machte gestern deutlich: „Ich stehe zu dem Theater, die Zahlen sind klar, ehrlich und nachvollziehbar.“ Auch einem Ratsbürgerentscheid, wie ihn ihr Fraktionschef Morkes verlangte (er wurde mit 40 zu 1 abgelehnt), wollte Witt nicht mittragen, und so zog sie die Konsequenz: „Ich stimme für das Theater und erkläre hier meinen Abschied aus dem Rat.“ Damit muss Morkes erneut eine Schwächung seiner Fraktion hinnehmen. Witt erinnerte Morkes in ihrer Rede zudem an die Gewissensfreiheit des Ratsmitgliedes.

 

Auffällig: viele Ratsmitglieder sprachen gestern sehr emotional und persönlich von ihren Umgang mit der Theaterfrage. Ralf Brinkhaus, CDU, bekannte 2006 der Abstimmung fern geblieben zu sein, weil er ein Gegner des Theaters war. „Doch ich habe mich meiner Fraktion, die das Theater wollte, gestellt, und wir haben viel für das Projekt bewirkt. Heute stimme ich zu.“ Auch die Grünen machten deutlich, dass sie in unterschiedlicher Intensität für das Theater stehen, votieren aber geschlossen für den Bau. Weniger Qualen waren in der SPD auszumachen, die ebenfalls geschlossen zustimmte wie die UWG, die ihren Antrag kontra Putzfassade zurück zog. In der FDP votierte Dr. Wolfgang Büscher, der als Bürger eigentlich für das Theater ist, gegen den Neubau, „weil meine Fraktion so entschieden hat.“ Dr. Büscher bot der Bürgermeisterin eine Wette um 20 Flaschen Sekt an, dass das Theater 25 Millionen kosten werde. Unger reagierte nicht, sprach stattdessen von „einem historischen Tag für Gütersloh“.

Den erlebte auch Morkes: zum zweiten Mal spaltete er seine Fraktion an der Theaterfrage.