Westfalen-Blatt "Einzelhandelsgutachten"

25.10.2008

Auf wackeligen Füßen Für FDP sind Gutachten mit großen Mängeln behaftet

 

Gütersloh (mdel). Die FDP will die Verabschiedung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts stoppen. »Wir sind der Meinung, dass das Gutachten gravierende Mängel aufweist und nachgebessert werden muss«, sagt Ratsherr Dr. Wolfgang Büscher. 

Wie im Planungsausschuss angekündigt, hat die FDP sowohl das vom Büro Junker und Kruse erstellte Einzelhandels- und Zentrenkonzept als auch das von der Firma GfK erarbeitete Gutachten zum Wellerdiek-Areal überprüfen lassen. Hierfür gewann sie in Dr. Thomas Schwarze einen gebürtigen Gütersloher, der als Lehrbeauftragter an zwei Fachhochschulen tätig ist und mit seinem Planungsbüro ähnliche Gutachten für kleinere Kommunen erstellt.

Schwarze bemängelt methodische Fehler und widersprüchliche Zahlen. Insbesondere das Büro Junker und Kruse bekommt sein Fett weg. »Wenn Sie Real-Satire lesen wollen, müssen Sie in deren Gutachten schauen«, sagt der Münsteraner. Er kritisiert, dass weder Einzelhändler noch Konsumenten in Gütersloh befragt wurden. Eine Passantenzählung habe an einem Mittwochnachmittag in den Ferien stattgefunden. 

Eklatante Unterschiede gebe es in den beiden Papieren bei der Umsatz- und Kaufkraftkalkulation für den Einzelhandel. Das Büro Junker und Kruse nenne als Wert 525 Millionen Euro, GfK aber nur 479 Millionen Euro. »Diese Zahlen sind erklärungsbedürftig«, meint Schwarze. Nicht nachvollziehen kann er zudem die Definition des näheren Einzugsgebiets für die Stadt Gütersloh. Junker und Kruse gebe als Wert 763 000 Einwohner inklusive der Stadt Bielefeld an. »Wie weit ist denn der äußere Einzugsbereich gefasst? Kommen die Kunden dann aus Hannover oder Bremen nach Gütersloh zum Einkaufen? Dass Bielefeld das Oberzentrum ist, bleibt unberücksichtigt«, sagt Schwarze. Seiner Meinung nach würden die Gutachten einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten - zum Beispiel wenn eine benachbarte Kommune Klage einreicht, weil sie befürchtet, dass die Geschäfte im Gazit-Neubau so viel Kaufkraft im Bereich Textilien abziehen (mehr als zehn Prozent), dass die ortsansässigen Läden nicht mehr überleben können. 

Als Konsequenz aus der Bewertung will die FDP die Verabschiedung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts im Rat von der Tagesordnung nehmen lassen und eine neue Diskussion anregen.