Westfalen-Blatt "Drittes Gymnasium"

28.11.2007

An Gymnasien bleibt es eng. Schulentwicklungsplan hält sich auf Frage nach drittem Standort bedeckt

Von Peter Bollig 

 

Gütersloh (WB). Einen Ausblick auf die Entwicklung der Schullandschaft bis 2012 soll der neue Schulentwicklungsplan geben, der kommende Woche im Fachausschuss vorgestellt wird. Eine der wesentlichen Fragen bleibt darin allerdings unbeantwortet: braucht Gütersloh ein drittes Gymnasium?

 

Auf der Grundlage von Prognosen stellt der Schulentwicklungsplan unter anderem die erwarteten Schülerzahlen dar, geht davon aus, dass bis 2012 am Städtischen Gymnasium die Eingangsklassen sieben- bis achtzügig, am Evangelisch-Stiftischen Gymnasium (ESG) fünf- bis sechs-, möglicherweise zwischenzeitlich auch siebenzügig gefahren werden. Derzeit sind es am Städtischen sieben, am ESG fünf Klassen in der Jahrgangsstufe fünf.

Im Entwurf zum Schulentwicklungsplan hält sich die Verwaltung zur Frage nach einem dritten Gymnasium bedeckt: Im Zusammenspiel von Verwaltung, Politik, Schule und Schulaufsicht sei zu klären, bis zu welcher Größe eine Schule noch gute pädagogische Arbeit leisten könne. Vor allem für die FDP im Rat ist diese Marke schon jetzt überschritten. Die Fraktion fordert seit langem ein drittes Gymnasium, weil das Städtische Gymnasium nur für fünfzügigen Unterricht, das ESG für nur dreizügigen Lehrbetrieb ausgelegt sei. Dr. Wolfgang Büscher, Fraktionsmitglied der FDP und Lehrer am Städtischen Gymnasium, beruft sich auf Aussagen der Bezirksregierung, wonach ein Schulbetrieb mit mehr als 1200 Schülern problematisch sei. Am Städtischen sind derzeit 1600, am ESG gut 1200 Schüler angemeldet.

Die Verwaltung sieht in einer nur baulichen Erweiterung bei steigenden Schülerzahlen keine Lösung, denn mit der Größe der Schule könne auch die Anonymität und Gewaltbereitschaft steigen. Und schon jetzt sei der Investitionsbedarf für die Gebäude beider Gütersloher Gymnasien hoch, um überhaupt die eigentlich vorgesehenen und bereits überschrittenen Kapazitäten zu gewährleisten, sagt Dr. Büscher. Das ESG müsse bereits städtische Räume an der Daltropstraße in Anspruch nehmen, um ihr Klassenraum-Konzept verwirklichen zu können.

Von ihrer ursprünglichen Forderung, das dritte Gymnasium in einem Neubau unterzubringen, ist die FDP inzwischen aus Kostengründen abgerückt. Statt dessen sei eine Zusammenlegung der Hauptschulen Nord und Ost am Standort Nord denkbar, um das Gebäude der Hauptschule Ost für ein neues Gymnasium frei zu machen. Im Ausblick auf die künftige Schullandschaft taucht diese Variante im Schulentwicklungsplan allerdings nicht auf. Dem Vernehmen nach kommt der Vorschlag aber aus der Verwaltung selbst. Blieben die beiden Hauptschulen getrennt, würde den Prognosen zufolge jede der beiden Schulen bei geringfügig sinkenden Schülerzahlen zweizügig geführt.

Die SPD hält sich in der Frage nach einem dritten Gymnasium bislang zurück. Die CDU lehnt einen Neubau ab, zieht aber eine Zusammenlegung der beiden Hauptschulen zugunsten eines dritten Gymnasiums in Betracht. Die Grünen können sich weitere Varianten vorstellen: eine dritte Gesamtschule etwa oder ein weiteres Gymnasium, das aber stark berufsorientiert ausgerichtet wäre.